>>Blausteiner Nachrichten Nr. 4<<
29.1.2010

„Klima-rettende Pflanzen !? (Teil 2)”

Es hat sich längst herumgesprochen: Die Verheißung, mit grüner Gentechnik den Hunger aus der Welt zu schaffen, wurde nicht erfüllt - heute hungern weltweit mehr Menschen denn je oder sind mangelernährt. Aber die Agrogentechnik versorgt uns inzwischen mit neuen Heilsversprechen, zur Abwechslung zum Klimaschutz. Über die Problematik einer gentechnisch vermittelten CO2-Reduktion durch Anbaumethoden ohne Pflug, oder wenigstens mit verringerter Bodenbearbeitung, haben wir kürzlich bereits berichtet (BN 49, 4.12.2009). Aber die Visionen der grünen Gentechniker reichen weiter in die Zukunft.

Zum Beispiel die Steigerung des Biomasseanteils bei Energiepflanzen oder die Anpassung wichtiger Kulturpflanzen an den wohl nicht mehr vermeidbaren Klimawandel sollen der Menschheit nützen. Die große Jagd der einschlägigen Konzerne und Firmen auf „Klimagene“ und deren Patentierung ist bereits ausgebrochen. Fachkundige Kritiker sind sehr skeptisch, ob diese Ansätze überhaupt Erfolgsaussichten bieten. Zur Klima-Anpassung einer Pflanze gehören sehr viele Eigenschaften zugleich. Mit einem Gen zur Verminderung des Wasserbedarfs bei zunehmender Trockenheit z.B. ist es nicht getan. Die Pflanze müsste auch mit der Aufnahme und Einlagerung von Salzen anders umgehen, sie müsste mehr Hitze vertragen, zugleich aber auch den schnellen Wechsel zu starken Regengüssen meistern oder sonstige extremer werdende und schneller wechselnde Wachstumsbedingungen bewältigen. Das bedeutet nicht nur, dass viele Gene gefunden, isoliert und in die gleiche Pflanzenart übertragen werden sollten. Die am wenigsten realisierbare Aufgabe wäre es, diese vielen Gene zugleich in ein hochkomplexes Wechselspiel der Genaktivierung und Stoffwechselregulation harmonisch zu integrieren . Eine „Ein-Problem-ein-Gen-Technologie“ wird die Probleme der Produktivität in Zeiten des Klimawandels nicht lösen können.

Entgegen dem Eindruck, den Werbestrategen der Agrogentechnik erwecken, gibt es eine durch Gentechnik wirklich insgesamt besser klimaangepasste Pflanze noch nirgends auf der Welt, sie ist derzeit reine Theorie. Bisher entwickelte Ansätze zeigen, dass solche Sorten womöglich bei Trockenheit vorübergehend vorteilhaft sein könnten, in einem dann folgenden „normalen“ Jahr aber wieder eher unterlegen sind. „Designer“-Saatgut in Mono-kultur kann den Herausforderungen unberechenbarer Witterungsabläufe nicht gerecht werden. Die größten Chancen hat ein komplexes und gegenüber Umweltfaktoren „elastisches“ agrar-ökologisches Management-System, das nicht zuletzt auf eine Vielzahl lokal angepasster „Landsorten“ zugleich setzt. Diese haben sich in langen Zeiten der Evolution und bäuerlichen Züchtung optimiert, diese gilt es daher unbedingt zu erhalten.

Dazu passt es nur scheinbar, wenn in der EU derzeit das Saatgutverkehrsgesetz überarbeitet wird und in diesem Rahmen eine „Erhaltungsrichtlinie“ für Landsorten vorgelegt wurde (am 30.4.2009 in deutsches Recht umgesetzt). Wesentliche Bestimmungen laufen den oben dargelegten Gesichtspunkten genau entgegen. Saatgut einer bäuerlichen Sorte darf nur bis zu höchstens 0,5 Prozent des insgesamt in einem Land verwendeten Saatguts der betreffenden Art in Verkehr gebracht werden. Alle Erhaltungssorten einer Art zusammen dürfen nicht mehr als 10% ausmachen. Im Klartext: Für industrielles Saatgut wird ein Marktanteil von 90 % garantiert. Weitere Bestimmungen erschweren auch darüber hinaus den Anbau von Erhaltungssorten ungemein. Schon für die Landwirte in Europa sind die Konsequenzen höchst bedenklich. Sollte das geplante internationale Sortenschutz-Abkommen entsprechend abgefasst werden, wäre dies für Bauern in den sogenannten Entwicklungsländern die nackte Katastrophe. (Weitere Informationen zu diesem Bereich unter: www.saatgutkampagne.org; Quelle: Genethischer Informationsdienst Nr.197,12/09).

Herzliche Einladung wie immer: Besuchen Sie uns im Internet unter www.anti-gen-wippingen.de


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