>>Blausteiner Nachrichten Nr. 7<<
19.2.2010

„Agrogentechnik in Deutschland: Ein schockierender Blick hinter die Kulissen”

Jörg Bergstedt, ein langjähriger Umweltaktivist referierte am 5.2. im vollbesetzten Spatzennest über seine minutiösen Recherchen zum Thema Agrogentechnik: Seilschaften zwischen staatlichen Behörden, Forschung und Agrogentechnikkonzernen seien in Deutschland schon seit Jahren der Normalfall. Obwohl 80 Prozent der Menschen hierzulande keine Gentechnik im Essen wollten, flössen trotzdem Steuergelder überwiegend in die Gentechnik, wenn es um landwirtschaftliche Forschung geht.

Wie dies funktioniere, ergebe sich aus der Tatsache, dass in den vergangenen Jahrzehnten alle relevanten Posten in Genehmigungsbehörden, Bundesfachanstalten und geldvergebenden Ministerien mit Gentechnikbefürwortern besetzt wurden. Die meisten von ihnen seien direkt in die Gentechnikkonzerne eingebunden.

Als ein Beispiel von vielen richtete Jörg Bergstedt den Fokus auf die Genehmigungsbehörde BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit). Auf den ersten Blick scheint es beruhigend zu wissen, dass es eine große Behörde gibt, die sich um die Verbraucher und ihre Interessen gegenüber Staat, Konzernen und anderen kümmert. Leider – so der Referent – ist das Gegenteil der Fall. Bislang hat das BVL alle Anträge auf gentechnische Nutzungen in der Landwirtschaft genehmigt. Als Ursache für diese Vorgänge ergibt sich für Bergstedt folgende Feststellung: Der Leiter der Agrogentechnikabteilung des BVL und weitere wichtige Entscheidungsträger seien eingebunden in ein enges Geflecht von Lobbyorganisationen und Agrogentechnikkonzernen und outeten sich immer wieder in öffentlichen Stellungnahmen als uneingeschränkte Befürworter der grünen Gentechnik.

Eine wichtige Feststellung durchzog immer wieder die Ausführungen des Referenten: Im Zentrum der Seilschaften finde man seiner Darstellung nach selten die großen Firmen selbst, sondern eher „Spezialagenturen“, kleine Firmen, mit exzellenten Kontakten zu Behörden, Politik, Medien und Konzernen. Sie arbeiteten als Tarnkappenstrategen der Industrie, finanziert sowohl durch die öffentliche Hand als auch durch die Wirtschaft. Sie hätten Netzwerke auf allen relevanten Ebenen organisiert, die Institutionen der EU-Mitgliedsstaaten infiltriert und eine weitgehende Definitionsmacht errungen. Versuche zur Entwicklung neuer Produkte und Methoden wurden als Sicherheitsforschung bezeichnet, um Akzeptanz für die Gentechnik und Zugänge zu den Fördermitteln zu schaffen; in der Regel dienten diese Fördergelder jedoch dazu, neue Agrogentechnikprodukte auf den Markt zu bringen. So wurden im Jahr 2009 die Biotechnologieforschung allein mit 165 Millionen Euro durch das Bundesforschungsministerium unterstützt.

Der Referent zum Schluss: „Nur 6% der Bevölkerung sind für die grüne Gentechnik. Dennoch besetzen Gentechnikbefürworter alle relevanten Posten - oder steuern sie!“.

Vorschau: Am 18.3. laden wir ein zu unserer Jahreshauptversammlung. Dabei wird ein Landwirt über die Möglichkeiten der gentechnikfreien Fütterung berichten. Besuchen Sie uns im Internet unter www.anti-gen-wippingen.de


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