>>Blausteiner Nachrichten Nr. 32<<
13.8.2010

GV-Raps „brennt durch“

Das belegen aktuellste Forschungsergebnisse. Wissenschaftler in den USA haben erstmals gentechnisch veränderte („gv-“) Nutzpflanzen in der „freien Wildbahn“ d.h. weit weg von ihren Anbauflächen nachgewiesen. Sie hatten in North Dakota auf einer Gesamt-Strecke von 5400 km entlang von Straßen Proben von Rapspflanzen genommen, von denen sich 85 % als gentechnisch verändert erwiesen. Die gentechnisch erzeugten Resistenzen der beiden in großem Umfang angebauten Raps-Sorten gegen je ein Herbizid waren vertreten. Am bemerkenswertesten waren vereinzelte Pflanzen, die sogar die Resistenzen gegen beide Herbizide besaßen, obwohl eine derartige Sorte nirgends angebaut wird. Das bedeutet nichts anderes, als dass sich die GV-Sorten außerhalb der Äcker angesiedelt und auch miteinander gekreuzt haben. Die US-Wissenschaftler folgern aus ihren Ergebnissen, dass die Vorschriften, um die Ausbreitung transgener Pflanzen in die Wildnis zu verhindern, ineffektiv sind und die Überwachung nicht ausreicht.

Vertreter der Agrotechnik-Konzerne wiegeln ab: die Vorkommen wildwachsender GV-Raps-Pflanzen erklärten sich durch Ernte-Transporte und seien daher auf bestimmte Bereiche begrenzt, die man durch Mähen oder andere Herbizide kontrollieren könne.

Für wie dumm die Kritiker mit diesem Rat verkauft werden sollen, wurde schon vor zwei Jahren in Schweden dokumentiert. Auf einer Versuchsfläche von 1200 qm eines vorhergehenden GV-Raps-Anbaus ließ das Landwirtschaftsministerium 10 Jahre lang alljährlich Gift spritzen, pflügen und jede dennoch auskeimende Rapspflanze jäten. Bei einer letzten Begehung fanden sich immer noch neu aufgewachsene GV- Rapspflanzen, die GV-Raps-Saat war also so lange keimfähig geblieben. „Das Ergebnis hat uns enorm überrascht,“ kommentierte der Versuchsleiter, “ich glaube nicht, dass wir GV-Rapspflanzen auf einem Feld jemals wieder ganz loswerden.“ ( Dem gegenüber warten Landwirte üblicherweise vier Jahre, ehe sie ein Gentech –Rapsfeld wieder für konventionellen Anbau nutzen; als in Deutschland 2007 versehentlich GV-Raps ausgesät worden war, durfte dann auf den betroffenen Flächen zwei Jahre lang kein Raps angebaut werden). Darüber hinaus fliegt der Raps-Pollen über Kilometer, selbst Samen werden vom Wind erstaunlich weit verfrachtet - der GV-Raps vom Straßenrand hat also beste Chancen, weiter landeinwärts auszuwildern.

Damit bestätigen sich einige der schwerwiegendsten und schon längst geäußerten Kritikpunkte an der Grünen Gentechnik. Einmal ins Freiland gelangt, ist es so gut wie nicht mehr möglich, sie noch jemals zurückzuholen. Es gibt praktisch keine Chance auf Umkehr, obwohl auch ihre ökologischen Auswirkungen noch längst nicht zureichend erforscht sind. Aufwendige Studien in Großbritannien zeigten bereits Beeinträchtigungen von Insekten und Verminderung ihrer Artenvielfalt durch GV-Anbau. Die Folgen unkontrollierter Kreuzungen mit gentechnischen Konstrukten in der „freien“ Pflanzenwelt sind überhaupt nicht vorhersehbar. Denkbar ist unter anderem auch, dass die Übertragung der Herbizid-Resistenzen auf verwandte Wildpflanzen ausgerechnet die anbautechnischen Vorteile der „Spender“- GV-Sorten zunichte macht.
Einer der kompetentesten GenTech-Kritiker fasst die Situation zusammen: „Die einzig vernünftige Antwort auf die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse ist ein generelles gesetzliches Verbot der Inverkehrbringung von GV-Pflanzen, deren Verbreitung und Persistenz in der Umwelt nicht kontrolliert werden kann.“


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