>>Blausteiner Nachrichten Nr. 38<<
24.9.2010

„Amflora“

"Amflora" – klingt irgendwie schön: Man denkt an Natur und Blumen, dabei handelt es sich aber um eine unappetitliche Kartoffel, die uns von BASF serviert wird und für die ein wahrscheinlich hochbezahlter Werbefachmann diesen verschleiernden Namen erfunden hat.

Laut BASF wird in Amflora-Kartoffeln "… das für die Synthese des Stärkebestandteils Amylose verantwortliche Gen mit Hilfe der Pflanzenbiotechnologie ausgeschaltet. Das Ergebnis: Amflora - eine Stärkekartoffel, die für den industriellen Einsatz optimal abgestimmt ist und reines Amylopektin produziert. Aus Amflora gewonnene Stärke bietet viele Anwendungsmöglichkeiten: So wird z.B. Garn reißfester und Papier glänzender, Sprühbeton haftet besser an der Wand und Klebstoff bleibt länger flüssig". Soweit die Werbung von BASF.

Der Pferdefuß: In die Kartoffel wurde auch ein Gen eingeschleust, das eine Resistenz gegen die Antibiotika Kanamycin und Neomycin erzeugt. Beide Medikamente werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als sehr wichtige Wirkstoffe eingestuft. Kanamycin kommt zum Beispiel bei der Bekämpfung von Tuberkulose zum Einsatz. Wenn die für den Verzehr nicht zugelassene Kartoffel durch unsaubere Trennung bei der Ernte, dem Transport oder der Lagerung in die Nahrungskette gelangt, beispielsweise als Viehfutter, können resistente Bakterienstämme entstehen, die diese Antibiotika wirkungslos machen würden. Die WHO hat deshalb vor der Zulassung von Amflora gewarnt.

Der EU-Gesundheitskommissar hat aber diese Warnung auf massiven Druck der BASF ignoriert und den Anbau von Amflora zugelassen, obwohl EU-Richtlinien den Anbau von Pflanzen mit eingebauter Antibiotika-Resistenz verbieten. Österreich und Luxemburg haben deshalb von einer Schutzklausel Gebrauch gemacht und den Anbau auf ihrem Gebiet verboten, während Amflora in Deutschland durch die Umweltministerin leider zugelassen wurde, so daß BASF in Mecklenburg mit dem kommerziellen Anbau beginnen konnte.

Bis vor ein paar Tagen hätte BASF das Argument einer möglichen Vermischung mit Futter- oder gar Speisekartoffeln wahrscheinlich mit der Behauptung gekontert, daß solche Vermischungen seien ausgeschlossen. Nun ist es aber gleich im ersten Jahr der kommerziellen Anwendung auf einem Feld in Schweden zu einer Vermischung mit einer nicht zugelassenen anderen, ebenfalls gentechnisch veränderten Kartoffelsorte gekommen, die BASF jetzt in erhebliche Erklärungsnot gebracht hat. Wenn es schon beim allerersten mal, solange die Aufmerksamkeit noch nicht durch Routine abgestumpft ist, zu solchen Vorfällen kommt, ist die Vorhersage nicht schwer, daß es über kurz oder lang zu der befürchteten Einschleusung in die Nahrungskette kommt. Diese Bedenken haben offenbar auch die deutschen Stärke-Hersteller. Sie wollen Amflora nicht anbauen.

Quellen: BASF, Frankfurter Rundschau, Financial Times Deutschland


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