>>Blausteiner Nachrichten Nr. 46<<
19 .11.2010

„Wanderlustige Gen-Abschnitte“



Bedenken gegen gentechnisch veränderte (gv) Futtermittel werden unter anderem mit dem Argument zurückgewiesen, dass die veränderten Erbinformationen auf die Futterpflanzen beschränkt bleiben und nicht in die damit gefütterten Nutztiere übergehen.

Auch dieser „Mythos der Gentechnik“ ist gefallen: Z.B. konnte ein italienisches Forschungsteam in diesem Jahr das Gegenteil nachweisen. Bei Ziegen, die mit gv Soja gefüttert wurden, fanden sich Fragmente dieser gv Erbsubstanz nicht nur in der Milch, sondern auch im Blut der Muttertiere sowie im Blut und anderen Körpergeweben ihrer Jungen. Kontrollgruppen wurden mit gentechnik-freiem Futter versorgt - bei diesen Tieren traten die fraglichen Genabschnitte nicht auf. Derartige Befunde wurden bisher vielfach abgestritten, auch seitens der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA. Dabei hatte man über entsprechende Befunde bei Schweinen schon vor Jahren berichtet. In jüngerer Zeit gelang auch der Nachweis bezüglich gv Mais, und auch bei verschieden Fischarten wie Forellen und Tilapia, hier sogar in fast allen inneren Organen. (Vgl. auch BN 18, 30.04.2009)

Darüber hinaus gab es im Stoffwechsel der gv-gefütterten Tiere gegenüber der Kontrollgruppe Auffälligkeiten. Beispielsweise besaßen Zicklein, bei denen Gen-Abschnitte aus gv Futter gefunden wurden, eine erhöhte Aktivität bestimmter Enzyme. Ob damit gesundheitliche Risiken für die Tiere verbunden sind, bleibt vorerst offen. Auf jeden Fall beweisen diese Ergebnisse weiteren Forschungsbedarf und unterstreichen die Notwendigkeit einer Kennzeichnungspflicht bezüglich des Einsatzes von gv Futter bei tierischen Lebensmitteln.

In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die Verarbeitungs-Rückstände der umstrittenen gv Kartoffel Amflora, die Resistenzgene gegen medizinisch wichtige Antibiotika enthält, als Futtermittel zugelassen wurden. Auf Grund der geschilderten Forschungsergebnisse wäre es also nicht verwunderlich, wenn dies der Weiterverbreitung von Antibiotika-Resistenzen weiteren Vorschub leisten würde -- als ob die Medizin und damit wir als Patienten nicht schon genügend Probleme damit hätten.
(Quellen: Gen-ethischer Informationsdienst 8/2010, Testbiotech 19.8.2010)



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