>>Blausteiner Nachrichten Nr. 50 <<
16.12.2011

Jeder Deutsche „verbraucht“ 350 m² Fläche für den Soja-Anbau

In Paraguay, im Herzen Südamerikas, spielt sich das jüngste Kapitel der Ausweitung des Anbaus gentechnisch veränderten Sojas ab. Esther Leiva, Kleinbäuerin und Aktivistin, berichtete auf einer Vortragstour durch Deutschland von Kämpfen um Land und Gerechtigkeit. Der Konflikt um Grund und Boden steht in Paraguay im Zentrum aller Konflikte in der Landwirtschaft. Die Großgrundbesitzer versuchen mit allen legalen und vor allem illegalen Mitteln das Land der Kleinbauern an sich zu reißen um den Sojaanbau weiter auszudehnen.

Die Bilder der „Grünen Wüsten“, wie die Einheimischen die schier endlosen Soja-Felder nennen, zeigen nichts anderes als Soja - bis zum Horizont: Kein Baum, kein Strauch, kein Haus. Nichts, nur Soja. Die Ausweitung der Soja-Anbauflächen in Südamerika ist immens. Zunächst beschränkt auf Argentinien, haben sich die Felder wie eine Epidemie auch in den anderen Ländern ausgebreitet: Zum Beispiel in Brasilien und eben auch in Paraguay. In der Liste der Soja exportierenden Länder nimmt Paraguay mittlerweile Platz vier ein, hinter den USA, Brasilien und Argentinien. In Paraguay hat sich die Fläche, auf der Soja angebaut wird, seit Anfang der 1990er Jahre etwa verfünffacht und lag 2008 bei etwa zweieinhalb Millionen Hektar. Neun von zehn Sojapflanzen in Paraguay sind gentechnisch verändert (gv). Mit dem Anbau der gentechnisch veränderten Sorten ist der obligatorische Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln verbunden: Das gv-Soja ist tolerant gegen diese Mittel. Wegen zunehmender Resistenzen bei den zu bekämpfenden Beikräutern muß immer mehr Gift eingesetzt werden. Gleichzeitig haben sich die Felder ausgeweitet, das Gift wird zum Teil mit Flugzeugen ausgebracht, nicht selten wird es über deren Grenzen hinausgetragen.

Landarbeiter und Kleinbauern, die am Rand der Grünen Wüsten leben, leiden unter Vergiftungserscheinungen. Es besteht der begründete Verdacht, daß sie nicht nur zufällig und aus Versehen in Kontakt mit den Unkrautvernichtungsmitteln kommen. Gezielte Vergiftungen von Menschen, Tieren, Feldern und Gärten sind in Paraguay (wie in den anderen südamerikanischen „Soja-Ländern”) an der Tagesordnung. Der Pilot, der das Gift auf die oft bis zu 400 ha großen Felder ausbringt, „vergißt“ schon mal, den Giftverteiler rechtzeitig zu schließen, wenn er über den Siedlungen am Rande dieser Felder abdreht. Es kommt in der Bevölkerung zu Frühgeburten und Mißbildungen, Menschen bekommen Ausschläge und andere Krankheiten, Tiere sterben und die Ernten in den Gärten und auf den kleinen Feldern werden zerstört. So ist auch die Lebensgrundlage in Gefahr: Viele Familien haben sich deshalb entschlossen, die Landwirtschaft aufzugeben und in die Städte zu ziehen. Leiva berichtet, daß allein im Verlauf des letzten Jahrzehnts 90.000 Familien gezwungen waren, diesen Weg einzuschlagen. Sie konnten die Belastung durch die Pestizide nicht mehr ertragen oder hatten keine Chance, mit den Sojafarmern zu konkurrieren.

Die weltweit steigende Nachfrage nach Soja macht es besonders schwer, sich dieser Entwicklung entgegenzustemmen. Zwei Drittel des Soja-Exports Paraguays findet seinen Weg in die Europäische Union. Anhand der Zahlen des Soja-Importes läßt sich zeigen, daß jeder Einwohner in Deutschlands in den Sojaproduzierenden Ländern eine Fläche von etwa 350 Quadratmetern verbraucht, die der dortigen lokalen Bevölkerung nicht zur Verfügung steht. Der größte Teil des importierten Sojas dient der Fleischproduktion.

Jetzt wollen wir Ihnen, liebe Leser der Blausteiner Nachrichten, natürlich nicht den Appetit auf einen leckeren Weihnachtsbraten verderben, aber vielleicht nehmen Sie sich für das nächste Jahr einmal vor, gelegentlich einen fleischlosen Tag einzulegen oder mit einer kleineren Portion vorlieb zu nehmen. Und fragen Sie Ihren Metzger, ob das Fleisch aus gentechnikfreier Fütterung stammt.

Die BI Wippingen wünscht Ihnen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr.

(Quelle: Gen-Ethischer Informationsdienst (GID), Heft 207)

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