>>Blausteiner Nachrichten Nr. 12 <<
20.3.2014

Was blüht uns auf dem Acker? Und anderswo?

Eine Studie der Universität Canterbury in Neuseeland kommt zu dem Ergebnis: „Die Landwirtschaft in den USA ist im Vergleich zu der Westeuropas in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht zurückgefallen - weil sie auf Gentechnik gesetzt hat.“ Es konnten nicht nur in USA längerfristig keine höheren Erträge durch gv-Anbau festgestellt werden, während der Einsatz von Pestiziden z. T. dramatisch stieg; daraus resultierende herbizidresistente Superunkräuter haben gebietsweise bereits eine für Landwirte existenzbedrohende Schadenshöhe erreicht.

Doch die Agroindustrie reagiert mit einer neuen Dimension der Gentechnik. Sie entwickelt durch Kreuzung von „einfachen“ gv-Pflanzensorten eine rasch zunehmende Zahl von Sorten mit kombinierten Gentech-Konstrukten. Aktueller Spitzenreiter ist eine Maissorte mit Resistenzen gegen vier Herbizide (dabei auch erheblich giftigere als bisher), die zugleich sechs verschiedene Insektizide produziert, welche also im Pflanzengewebe selbst enthalten sind.

Die Wirkungsmechanismen der „eingebauten“ Insektengifte, ihre Abbauraten und Wechsel­wirkungen vielseitiger Art sind nur unzureichend aufgeklärt, ihre Gesamtkonzentration ist wesentlich höher als in den Ausgangssorten und kann ganz erheblich schwanken, sie können u. a. das Immunsystem übersteigern (und so womöglich Autoimmunerkrankungen begünstigen), ihre Stoffwechselwirksamkeit für Mensch und Tier ist unzureichend geklärt.

Ganz entsprechend wachsen die Risiken durch vermehrte Herbizid-Resistenzen. Die fraglichen Herbizide würden bei konventionellem integriertem Pflanzenschutz nur nach Bedarf eingesetzt, Rückstände wären daher nur von Fall zu Fall in der Ernte zu finden. Hier jedoch liegen Rückstände bzw. bedenkliche Abbaustoffe regelmäßig, z. T .in hoher Konzentration in den Pflanzen vor und belasten die Nahrungskette permanent direkt und durch ebenfalls vielseitige Wechselwirkungen.

Harmloser klingt da die gentechnisch erhöhte Trockenheits-Toleranz einer Maissorte oder die veränderte Ölqualität einer Sojasorte. Doch Gentechnik greift immer in die hochkomplexen genetischen Regulationsmechanismen ein mit dem Risiko grundsätzlich nicht vorhersehbarer ungewollter Veränderungen des pflanzlichen Zellstoffwechsels und ihrer Folgen bei Einsatz als Nahrung für Mensch und Tier. So werden bestimmte zelleigene genregulatorisch wirksame Substanzen bei gentechnischer Manipulation grundsätzlich beeinflusst. Aber erst seit kurzem ist bekannt, dass sie aus dem Darm in das Blut übergehen können und daher bei der Risikobewertung berücksichtigt werden müssten.Insgesamt weithin unzureichende Risikountersuchungen lassen viele Fragen zu Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit offen.

Abseits der Ackerflächen spielt Agrogentechnik - von der Öffentlichkeit kaum bemerkt - eine ebenfalls zunehmende Rolle. Gv-Bäume, in Europa besonders Pappeln, bieten z.T. ein ganz eigenes schwerwiegendes Risikoszenario. Noch viel mehr gilt das für genmodifizierte Tiere, derzeit vorwiegend Fische und Insekten. Die Möglichkeiten zur Manipulation der Erbinformation haben ganz dramatisch zugenommen und damit ebenso das Risiko-Potenzial.

Es ist zu erwarten, dass die Industrie in den nächsten Jahren eine große Zahl von derartigen neuen, risikoreichen Produkten einführen will. Gerade auch in diesem Zusammenhang könnte das geplante – wesentlich von Konzerninteressen initiierte – Freihandelsabkommen zwischen EU und USA eine bedenkliche Rolle spielen. Es wird enorm viel davon abhängen, inwieweit dabei z. B. das in der EU bei unklarer Sicherheit geltende Vorsorgeprinzip oder Vorschriften zur Risikoprüfung und Kennzeichnung von Lebensmitteln aufrecht erhalten bleiben oder ob sie als „Handelshemmnisse“ den Verhandlungen zum Opfer fallen.

Quelle: Pfeil Chr. Then, Kritische Bestandsaufnahme einer neuen Dimension der Gentechnik. 12/2013 [pdf]


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