>>Blausteiner Nachrichten Nr. 16 <<
17.4.2014

Wie verläßlich sind die Bewertungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit?

Im vergangenen Februar wurde wegen einer Enthaltung Deutschlands bei einem Treffen der Europäischen Agrarminister die Zulassung der genveränderten Maissorte 1507 für den Anbau und als Lebensmittel durch die Europäische Kommission ermöglicht. Die Kommission beruft sich dabei auf die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die diese Sorte für gefahrlos hält. Wie schon in anderen Fällen, stützt sich die EFSA dabei auf Analogieschlüsse.

Mais 1507 produziert ein Insektengift, das als Cry1F klassifiziert ist und speziell gegen Maisschädlinge wirken soll. Im Vergleich zu dem Insektengift Cry1Ab, das der in Europa bereits zugelassene Mais MON810 bildet, weist Cry1F deutlich andere Wirkungseigen­schaften auf. Ursprünglich stammen beide Gifte aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis und werden deswegen als Bt-Gifte bezeichnet. Von diesen Giften wird angenommen, daß sie nur spezifisch gegen bestimmte Insekten wirken, obwohl ihre Wirkungsweise nicht vollständig aufgeklärt ist.

Die EFSA stützt sich bei ihrer Beurteilung von Mais 1507 auf Untersuchungen von MON810 und ignoriert dabei offensichtliche die Unterschiede zwischen den beiden Giftvarianten und die Hinweise auf eine höhere Gefährdung harmloser Organismen durch Cry1F. Beim Prozeß der Genübertragung wurden beim 1507-Mais außerdem zahlreiche Bruchstücke und Genfragemente mit übertragen. Die Auswirkungen auf Pflanzeninhaltsstoffe sowie mögliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt wurden jedoch nicht hinreichend untersucht, obwohl diese unkontrolliert mit eingeschleusten Bruchstücke offenbar 61 verschiedene neue Eiweißstoffe in den Pflanzen bilden können, deren biologische Funktion bisher unbekannt ist.

Studien zum Verhalten von Cry1F im Boden fehlen fast vollständig: Zwei von drei publizierten Untersuchungen wurden von den antragstellenden Firmen selbst durchgeführt, nur eine davon unter Freilandbedingungen. Aufgrund der vorliegenden Daten kann unmöglich der Schluß gezogen werden, dass Wirkungen auf Böden nicht zu erwarten seien. Die Bewertung der EFSA ist in diesem Punkt hochspekulativ.

1507-Mais bildet extrem viel Bt-Gift im Pollen. Der Gehalt ist um ein Vielfaches höher als z. B. in der gentechnisch veränderten Maislinie MON810. Da zahlreiche Insektenarten mit diesem Teil der Pflanze in Berührung kommen, wäre eine genauere Untersuchung der Wirkung des Giftes auf diese Insekten vor einer Marktzulassung zwingend erforderlich. Die Einschätzung der EFSA, daß Mais 1507 andere Organismen als Maisschädlinge nicht mehr gefährdet als MON810, ist reine Spekulation. Eine Konsequenz der Zulassung von Mais 1507 als Lebensmittel wäre außerdem, daß mit Bt-Gift verseuchter Honig verkauft werden dürfte (vor wenigen Jahren mußte ein bayrischer Imker noch seine ganze Honigernte vernichten, weil sie mit dem weniger giftbelasteten Pollen von MON810 kontaminiert war).

Quelle und weitere Informationen:

Pfeil www.testbiotech.org


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