>>Blausteiner Nachrichten Nr. 26 <<
27.6.2014

Ein Jubiläum der besonderen Art

Vor 25 Jahren wurde die erste Freisetzung eines gentechnisch veränderten (gv-) Organismus in Deutschland genehmigt. Dabei hatte das staatliche Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln in das Genom von Petunien ein Gen eingefügt, das statt weißer Blüten lachsrote hervorbringen sollte. Im Freilandversuch blieb aber die Farbe nicht bei allen erhalten - einige nahmen nach einiger Zeit wieder ihre ursprünglich weiße Farbe an, ein Beispiel dafür, daß die Auswirkung einer Genmanipulation nur schwer vorhersagbar und kontrollierbar ist. Ob ein übertragenes Gen aktiv ist und die Baupläne für die neue Eigenschaft abgelesen werden, hängt unter anderem von sehr vielen Umweltfaktoren ab.

Inzwischen fanden aber in Deutschland Freisetzungen von erheblich unangenehmeren gv-Pflanzen statt. Dazu gehören insbesondere verschieden gv-Rapssorten, deren verändertes Erbgut in verwandte Wildpflanzen auskreuzt. So wurden in Kanada an zwei Orten erstmals Wildpopulatioenn von Rübsen entdeckt, die ein von gv-Wirtschaftpflanzen stammendes Gen enthalten, das ihnen Resistenz gegen Gluphosinat verleiht. Entgegen der Annahme, daß dieses Gen den Pflanzen außerhalb von Ackerflächen keinen Vorteil verleiht und daher wieder verschwinden sollte, wurde es in diesen Populationen über 6 Jahre nachgewiesen. Organisationen, die die Grüne Gentechnik kritisch beobachten, sehen deshalb den dringenden Bedarf für ein weltweites Verbot der Freisetzung insbesondere solcher gentechnisch veränderter Pflanzen, die im Zweifelsfall nicht zurückgeholt werden können. Daß ausgekreuztes gv-Erbgut nicht zurückgeholt werden kann, ist ein unverantwortliches Risiko. Die Rückholbarkeit von gv-Pflanzen muß eine wesentliche Säule des Risikomanagements sein. Ein internationales Bündnis startet aus diesem Grund aktuell einen Aufruf an die Vereinten Nationen mit der Forderung, rechtlich bindende, internationale Regeln zu schaffen.

Immerhin kann man dem 25-jährigen Jubiläum auch etwas Positives abgewinnen: Es hat sich gezeigt, daß der Widerstand der Bevölkerung erfolgreich war und sich gelohnt hat. 2014 ist das zweite Jahr in Folge, in dem keine einzige gentechnisch veränderte Pflanze auf den Äckern in Deutschland wächst - weder kommerziell, noch in einem Versuch. Viele tausend Bürgerinnen und Bürger in lokalen Initiativen wie der BI Wippingen, in Vereinen und inüberregional tätigen Verbänden haben sich für eine gentechnikfreie Landwirtschaft eingesetzt und kämpfen weiter für dieses Ziel, denn es bleiben noch viele Wünsche offen: Damit sich zum Beispiel die hiesige industrielle Tiermast rechnet, wird der südamerikanische Kontinent vergiftet und in neokolonialer Art zur Rohstoffquelle degradiert. Gentechnisch veränderte Soja spielt dabei eine wesentliche Rolle. Das sollte uns nicht egal sein.

Quellen:
PfeilGenEthischer Informationsdienst (GID) 223
PfeilWikipedia-Transgener Raps


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