>> Blausteiner Nachrichten Nr. 39 <<
25.9.2015

„RTDS-Raps kommt nicht auf's Feld - vorerst“


Wir haben in diesem Jahr schon einmal über ein neues Verfahren der Genmanipulation berichtet, bei dem ein künstlich erzeugtes Molekül in die Pflanzenzelle eingeführt wird, das einen natürlichen Mechanismus der Zelle veranlasst, eine gezielte Mutation ihres Erbgutes auszulösen. Die Firma, die dieses sog. RTDS-Verfahren ( = frei übersetzt: Schnelles Verfahren zu Entwicklung neuer Merkmale) entwickelt hat, argumentiert, dass ihre damit veränderten Rapspflanzen im Sinne der europäischen Gentechnik-Regulierungen nicht als gentechnisch verändert anzusehen seien. Für ihren Anbau sei daher keine Freisetzungs-Genehmigung erforderlich. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hatte sich im Februar dieser Argumentation ohne weitere Prüfung angeschlossen und der Firma signalisiert, dass der Raps ohne Genehmigungsverfahren und ohne Kennzeichnung freigesetzt werden dürfe. Gegen diesen Bescheid hatte ein gentechnikkritisches Bündnis Widerspruch eingelegt, der vom BVL abgelehnt wurde. Darauf hin hat das Bündnis vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig Klage gegen diese Ablehnung erhoben. Da diese Klage aufschiebende Wirkung hat, konnte der RTDS-Raps heuer nicht freigesetzt werden.

Inzwischen ist die Europäische Kommission aktiv geworden und hat die Mitgliedsstaaten aufgefordert, sich mit Genehmigungen vorerst zurückzuhalten. Sie sollten die Ergebnisse der rechtlichen Prüfung durch die Kommission abwarten, bevor eine Freisetzung von Pflanzen genehmigt wird, die mit dieser neuen Technik verändert wurden.

Für England und Schweden kam diese Aufforderung zu spät. Die dortigen Behörden hatten den RTDS-Raps schon früher als nicht unter das Gentechnikgesetz fallend eingestuft. Damit ist auch nicht bekannt, wo in diesen Ländern RTDS-Raps ausgesät wurde – und sich vielleicht schon in Wildpflanzen eingekreuzt hat. Produkte aus diesem Raps können ohne Kennzeichnung in Verkehr gebracht werden.

Im Übrigen scheint das BVL die Kommission nicht sehr ernst zu nehmen. Es meint, das Schreiben beinhalte kein Verbot, sondern lediglich „eine Bitte“. So können wir nicht ausschließen, dass im nächsten Jahr der FTDS-Raps doch auch zu uns kommt.

Quellen:

Gen-ethischer Informationsdienst Nr. 231
Pfeilhttp://www.sueddeutsche.de/wissen/gentechnik-die-gruene-grenze-1.2563470


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