>> Blausteiner Nachrichten Nr. 12 <<
24.3.2016

„Fragen zu gv- Anbau in Spanien“

Eine bestimmte gentechnisch veränderte (gv) Maissorte produziert in ihrem gesamten Körpergewebe gv-bedingt ein Gift gegen Schädlinge. Sie ist als einzige transgene Pflanze in Europa zum Anbau zugelassen, und wird in Spanien auf über 100. 000 ha angebaut. Diese (1998 erteilte) Zulassung stützte sich maßgeblich auf die Annahme, dass Mais in Europa keine Möglichkeit hat, seine Gene mit wilden Artverwandten auszutauschen, weil seine vermutlichen Stammverwandten gar nicht in Europa sondern nur in Amerika vorkommen. Es hatte also den Anschein, als könne man sich diesbezüglich entspannt zurücklehnen.

Doch bald schon geschah etwas, womit man nicht gerechnet hatte. Als wahrscheinlichste Ursprungspflanze für Mais gilt die Grasart Teosinte, die in Mexiko vorkommt und mit der sich Mais bekanntermaßen fruchtbar kreuzen lässt. Und ausgerechnet diese Teosinte breitet sich seit 2009 in Spanien als „invasiver“, d. h. besonders durchsetzungsfähiger pflanzlicher Neubürger aus. Man weiß nicht, woher und wie das Teosinte-Gras nach Spanien kam. Aber man weiß somit, dass es nun doch in Europa zum Gen-Transfer zwischen gv-Mais und Teosinte kommen könnte, womit sich das betreffende Gen-Konstrukt womöglich dauerhaft, nicht rückholbar in der europäischen Umwelt ansiedeln würde.

Damit ist nun aber die Voraussetzung für die Anbau-Genehmigung der fraglichen gv-Maissorte entfallen, ihre Zulassung müsste also nach gesundem Menschenverstand ihre Gültigkeit verlieren. Das sieht wohl auch der „zuständige“ Saatgut-Konzern so und reagiert darauf interessengelenkt auf die ihm eigene Weise: obwohl er gesetzlich dazu verpflichtet ist, jährliche Berichte über den spanischen gv-Maisanbau und über mögliche Umweltrisiken vorzulegen, hat er der EU-Kommission offenbar nichts über die neue invasive Art mitgeteilt.
Die EU-Kommission ihrerseits gibt sich auch nicht gerade hellhörig. Obwohl die Teosinte-Pflanzen kaum zu übersehen sind (sie wachsen wesentlich höher als Mais und verzweigen sich auch ganz anders) und obwohl die Behörden in mehreren Regionen Spaniens schon längst vor der Gefahr ihrer weiteren Ausbreitung warnen, antwortete die Kommission auf die Anfrage einer spanischen Abgeordneten, dass „keine Daten über das Erscheinen von Teosinte“ vorlägen.

Unabhängige Organisationen haben nun gemeinsam die EU-Kommission kontaktiert und verlangt, dass der Anbau dieses gv-Mais gestoppt wird.

Der Allgemeinheit entstünde damit kaum Schaden. Ein Bericht, den die Regierung der spanischen Region Aragon veröffentlicht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass der Anbau dieser gv-Maissorte keine höheren Erträge erbringt als konventionelle Maissorten, und dass er auch nicht zu einem geringeren Schädlingsbefall führt.

Quellen: Genethischer Informationsdienst 2/2016, Testbiotech PM 28.2.2016


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