>> Blausteiner Nachrichten Nr. 28 <<
15.7.2016

„Ein Blick über die Grenze: Streit in Frankreich über die Einstufung neuer Verfahren zur Veränderung der Erbsubstanz “

In den letzten Jahren sind neue Technologien entwickelt worden, mit denen die Erbsubstanz von Organismen schneller und billiger verändert werden kann, als dies mit dem bisherigen Verfahren des Einschleusens von artfremdem Genmaterial möglich war. Vereinfacht gesprochen beruhen diese Technologien (z.B. das „Crispr-CAS9“ Verfahren) auf einem direktem „Herumschnibbeln“ an der DNS, die die Erbinformation trägt. Die Agroindustrie argumentiert, dass das Ergebnis sich nicht von natürlich vorkommenden oder durch chemische Behandlung induzierten Veränderungen („Mutationen“) unterscheidet, mit denen die traditionellen Züchtungsverfahren arbeiten. Deshalb seien die strengen Regeln der Europäischen Kommission zur Zulassung und Überwachung genveränderter Organismen nicht auf die so veränderte Pflanzen und Tiere anwendbar.

Die Europäische Kommission muss nun demnächst entscheiden, ob sie sich dieser Sichtweise anschließt oder nicht. Die Beratungen dazu finden unter der Federführung Frankreichs statt. Die französische Regierung läßt sich in dieser Sache durch einen Biotechnologierat („Haut Conseil des biotechnologies“, HCB) beraten, dem neben Naturwissenschaftlern auch Vertreter der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und Umweltverbände angehören. Der Abschlussbericht dieses Rates hat jetzt zu einem Eclat geführt, weil er bis auf wenige Einschränkungen die Sichtweise der Industrie übernimmt, ohne die abweichende Meinung eines Teiles seiner Mitglieder zu berücksichtigen. Darauf hin haben mehrere Mitglieder den Rat unter Protest verlassen, darunter der stellvertretende Vorsitzende des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Bereiches sowie der wissenschaftliche Direktor des nationalen landwirtschaftlichen Forschungsinstitutes (INRA). Letzterer erklärt, dass „er es nicht erträgt, dass die Bürger über Probleme, die unsere Zukunft betreffen, belogen werden, und sei es auch nur durch Verschweigen“. Ebenso haben sich die Umweltverbände (darunter Greenpeace und das französische Pendant zum BUND) zurückgezogen, die konstatieren, dass „die Angelegenheit eine echte gesellschaftliche und wissenschaftliche Debatte verdiene, die innerhalb des Biotechnologierates unmöglich ist“.

Es steht jetzt zu befürchten, dass die Ansicht des französischen Biotechnologierates auf dem Weg über die französische Regierung Eingang in die Direktiven der Europäischen Kommission finden werden.


Quelle:Pfeil https://reporterre.net/Les-OGM-caches-tentent-de-s-imposer-en-douce


PfeilStartseite
Aktuelles


 

Spendenkonto:
IBAN: DE77 6309 1200 0016 7000 07
BIC: GENODES1BLA

Spendenbescheinigungen
werden auf Wunsch gerne
ausgestellt