>> Blausteiner Nachrichten Nr. 16 <<
21.4.2017

Patentierte Gerste, patentiertes Bier

Gemäß den Regeln der EU und Beschlüssen des Europäischen Parlamentes darf konventionelle Züchtung von Pflanzen und Tieren, die auf gängigen Verfahren wie Kreuzung und Selektion und der Nutzung zufälliger Mutationen beruht, nicht patentiert werden. Leider hat jedoch das Europäische Patentamt (EPA) jahrelang dieses Verbot von Patenterteilungen auf konventionelle Züchtungen kreativ umgangen. So hat das EPA im letzten Jahr beispielsweise den jeweils in Holland und Dänemark angesiedelten zweit- und drittgrößten Brauereikonzernen der Welt (mit vielen Marken in Deutschland) Patente auf Gerste aus konventioneller Züchtung und dem daraus gebrauten Bier erteilt. Die Patente beruhen auf zufälligen Mutationen im Erbgut der Gerste und stehen daher allenfalls Mutter Natur zu. Die patentierte Gerste soll das Brauen billiger und das Bier haltbarer machen, so dass die Konzerne nicht nur am Bierverkauf sondern auch am Anbau der der Gerste verdienen können. Die Patente bedeuten auch, dass Gerste mit den gleichen Eigenschaften wie die patentierte Sorte, die aber auf anderem Wege gezüchtet oder zufällig entdeckt wurde, den Konzernen und nicht dem Züchter gehört!

Ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen aus Dänemark, Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Mitte März jetzt an die Politik appelliert, das Verbot von Patenten auf Pflanzen und Tiere aus herkömmlicher Züchtung endlich wirksam durchzusetzen. Die Initiatoren des Appells weisen darauf hin, dass das EPA offenbar immer wieder versucht, die Patentverbote durch juristische Spitzfindigkeiten zu umgehen – dies möglicherweise aufgrund eigener wirtschaftlicher Interessen. Allerdings steht das EPA jetzt tatsächlich unter großem politischen Druck und hat im Dezember 2016 viele weitere Patenterteilungen bis auf Weiteres auf Eis gelegt. Diese Entscheidung ist jedoch nur vorläufig. Unklar ist auch, ob tatsächlich alle Patente im Bereich der konventionellen Züchtung gestoppt wurden. Für ein endgültiges Ende von derartigen Patenten müssen die Verbote vom Verwaltungsrat des Patentamts umgesetzt werden, der voraussichtlich in der ersten Hälfte 2017 tagt.

Näheres unter Pfeil http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/gen/2017/1703_GeNua_pm_kein_patent_auf_bier

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