>> Blausteiner Nachrichten Nr. 36 <<
8.9.2017

Appetit auf Afrika

In weiten Teilen Afrikas dominiert bis heute eine kleinbäuerliche Landwirtschaft. Je nach Region werden bis zu 80 Prozent des Lebensmittelbedarfs von lokalen Kleinproduzenten gedeckt. Bisher ist daher der Umsatz, den die globalen Agrarkonzerne in Afrika erzielen, vergleichsweise gering. Das möchten diese aber ändern. Sie sehen in dem Kontinent einen wichtigen Zukunftsmarkt. Afrika werde künftig einen wachsenden Umsatzanteil beisteuern, ist im aktuellen Jahresbericht eines der führenden Agrarkonzerne zu lesen. Man werde dazu beitragen, mit moderner Technologie die Ernteerträge zu steigern und den Kontinent zu einem wichtigen Exporteur von Nahrungsmitteln zu entwickeln. In ähnlichem Tenor stellen sich auch andere Akteure als hilfreicher Partner und Unterstützer afrikanischer Bauern und Bäuerinnen dar. Tatsächlich setzt das von ihnen propagierte Landwirtschaftsmodell, das auf der Verwendung industriellen Saatguts und dazugehöriger Pestizide statt lokal angepasster Vielfalt beruht, die kleinbäuerliche Landwirtschaft vielerorts unter Druck und schadet der Ernährungs- und Saatgutsouveränität. Der Evangelischer Entwicklungsdienst Brot für die Welt zeigt auf, wie afrikanische Staaten unter Druck gesetzt werden, ihre Saatgutgesetzgebungen industriefreundlicher zu gestalten, und wie gleichzeitig am Aufbau konzernbasierter Saatgutstrukturen gearbeitet wird. Auch das deutsche Entwicklungsministerium scheint sich diesen Trend anzuschließen, indem es Rentabilität und Gewinn in den Vordergrund stellt.

Zu den Bemühungen der Agrarindustrie, ihr Landwirtschaftsmodell in Afrika zu verbreiten, gehört auch die Propagierung gentechnisch veränderter (gv) Pflanzen. Diese sind bisher noch wenig verbreitet: Nur in drei afrikanischen Ländern werden sie kommerziell angebaut, und eines davon steigt aus der Nutzung von gv-Baumwolle gerade wieder aus, da sich ihre Qualität nicht bewährt hat. Dennoch steigt der Druck auf weitere Staaten, den Weg für Freisetzungsversuche und die Markteinführung von gv-Pflanzen zu ebnen. Dabei wird auch die Erwartung geweckt, dass sich die Kassen der Staaten (und ihrer Machthaber) durch Agrarexporte füllen lassen. Dies läuft auf die Entwicklung von Monokulturen weniger Pflanzenarten hinaus, die für die reichen Industrieländer interessant sind. Die absehbare Folge wird sein, dass die Produktion einheimischer Lebensmittel zurückgehen wird, die Preise entsprechend steigen und letztlich der Druck zunehmen wird, als Armutsflüchtling eine vermeintlich bessere Zukunft in Europa zu suchen.

Quelle:

Pfeil Genethischer Informationsdienst GID 241, Mai 2017; dort auch weitere Quellen.


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