>> Blausteiner Nachrichten Nr. 46 <<
17.11.2017

„Gegen den Verlust der Sortenvielfalt: Das Genbänkle“

Zahlreiche Interessierte hatten sich am Freitag vergangener Woche im Naturfreundehaus Blaubeuren eingefunden, um von Woldemar Mammel näheres über sein Projekt "Genbänkle" zu hören. Mammel, vielen bekannt durch seine erfolgreiche Wiederbelebung der "Alb-Leisa", interessiert sich auch für die zahlreichen lokalen Züchtungen anderer Nutzpflanzen, die vom Verschwinden bedroht sind und durch das Genbänkle eine Überlebenschance bekommen sollen. Eigentlich – so bekannte er - wollte er diesmal überhaupt nicht über Linsen sprechen, aber anläßlich eines kürzlich vom Fernsehkanal "arte" gezeigten Beitrags (Linsen: Das Rezept gegen den Welthunger) bekamen die Zuhörer doch noch viele interessante Fakten zum Thema Linsen zu hören. So, daß sich das weltgrößte Anbaugebiet heute in Kanada befindet, obwohl dort kaum jemand Linsen ißt. Der Anbau in Kanada unterscheidet sich allerdings grundlegend von der Praxis auf der Alb: Einzelne Farmer bestellen Flächen so groß wie die gesamte Anbaufläche auf der Alb; sie verwenden herbizidresistente Sorten (bisher mittels chemisch induzierter Mutationen gezüchtet, demnächst aber auch gentechnisch modifizierte Sorten), so daß die Felder kahl gespritzt werden können; es werden immer wieder die gleichen Flächen bestellt, so daß die deswegen aufkommenden Pilzerkrankungen chemisch bekämpft werden müssen; kurz vor der Ernte werden die Linsenpflanzen mit Glyphosat behandelt, um eine gleichzeitige Reife zu erzielen. Um das Ergebnis auch in Europa verkaufen zu können, habe die Agrarchemie-Lobby darauf hingewirkt, daß die EU den ursprünglichen Grenzwert für Glyphosat in Linsen um das 100-fache angehoben hat. Alb-Leisa werden dagegen auf kleinen Parzellen angebaut und nur einmal alle 5 oder 6 Jahre auf dem gleichen Feld. Die ökologisch bewirtschafteten Linsenäcker zeichnen sich vor anderen landwirtschaftlich genutzten Flächen durch die reichste Wildkräuterflora, die höchste Lerchendichte und die größte Vielfalt von Kleinlebewesen aus.

Die Idee des Genbänkle ist aus Mammels Erfahrung mit den Problemen staatlicher Genbanken bei der Suche nach den ursprünglichen Linsensorten der Alb entstanden. Während dort die Samen nur alle 5 bis 7 Jahre auf Parzellen wiederausgesät werden, die oft mit dem Herkunftsgebiet der Sorte wenig gemein haben, soll hier mit Schwerpunkt in Baden Württemberg unter Mitwirkung der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen ein Netzwerk von privaten Interessenten entstehen, die untereinander Saatgut tauschen oder verschenken, um lokale alte Gemüsepflanzensorten regelmäßig wieder anzubauen und auf diese Weise weiter zu pflegen. Wichtiges Hilfsmittel wird dabei ein Katalog der noch verfügbaren Sorten und ihrer Saatgutvermehrer sein. Wer einen Eindruck gewinnen will, wie viele alte Spezialitäten es alleine aus dem hiesigen Raum gibt, sehe sich die schon existierende Internetseite genbaenkle.de an: Zum Beispiel Großer Blauer Ulmer Sommerrettich, Ulmer Spargel, Söflinger Rettich, Früher Ulmer Wirsing, Rote Söflinger Zwiebel - und sehr viele mehr. Die Erhaltung der Sortenvielfalt ist kein rein nostalgisches Steckenpferd, sondern eine wichtige Aufgabe, um eine breite Ausgangsbasis für Neuzüchtungen zu haben, die zur Verbesserung von Krankheitsresistenz oder zur Anpassung an geänderte klimatische Bedingungen notwendig werden können.

 

Pfeil www.genbaenkle.de


PfeilStartseite
Aktuelles


 

Spendenkonto:
IBAN: DE77 6309 1200 0016 7000 07
BIC: GENODES1BLA

Spendenbescheinigungen
werden auf Wunsch gerne
ausgestellt