>> Blausteiner Nachrichten Nr. 49 <<
8.12.2017

„Prof. Antonio Andrioli am 20.11.17 in Seligweiler: Zukunftsmodell Landwirtschaft im korrupten Brasilien? Betrifft: Unsere Ernährung!“


Zum Einstieg erklärte Prof. Andrioli die momentane politische Situation in Brasilien nach dem Präsidentenwechsel. Starke Korruption und massive Umstrukturierungen finden statt. Besonders betroffen sind Bildung, Sozialwesen, Landwirtschaft und Umwelt. Die Ministerien für Menschenrechte und Agrarentwicklung wurden abgeschafft. Der neue Landwirtschaftsminister ist der größte Sojabauer Brasiliens und die Großgrundbesitzer haben mit 222 Abgeordneten ein Drittel aller Sitze im Parlament. Menschenrechtsverletzungen finden statt. Bauern und Indigene riskieren ihr Leben, wenn sie auf die Straße gehen und für ihre Rechte demonstrieren.

Andrioli zeigte auf, dass seit Einführung der genveränderten Pflanzen in Brasilien 2003 der Ertrag von Soja etwas zugenommen hat, aber nicht aufgrund der Agrogentechnik, sondern wegen Vergrößerung der Anbauflächen. Die Zahlen die Andrioli vorlegte sprachen für sich. Der Einsatz von Herbiziden und Pestiziden stieg kontinuierlich. Trotz dem Versprechen der Agroindustrie: „Weniger Einsatz von Glyphosat und mehr Ertrag“. Dies hat sich nicht bewahrheitet. Zudem haben die Unkräuter auf den Sojafeldern Resistenzen gegen Glyphosat entwickelt Immer größere Mengen werden gespritzt. Brasilien ist trauriger Weltmeister im pro Kopf Glyphosat Verbrauch: 7,1l jährlich. Die Glyphosat-Rückstande in den Sojabohnen stiegen enorm an. Andrioli frägt, wer die Soja untersucht, die in Rotterdam als Viehfutter ankommt und später in die Nahrungskette gelangt.

Untersuchungen zeigten, dass der Eiweißgehalt in Gensoja niedriger ist. Das heißt für die Bauern weniger Ertrag. Ab einer bestimmten Glyphosat Menge werden die Knöllchenbakterien an den Wurzeln der Pflanzen zerstört. Diese haben die Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft zu speichern. Eine vollkommen natürliche und günstige Düngung.

In Brasilien wurden diese Probleme durch weitere Entwaldung und Vertreibung der Kleinbauern von ihren Flächen gelöst. Landkonzentration und Hunger sind die Folgen. Außerdem wird vermehrt chemisch gedüngt. Die Verbindung von Mineraldünger und Glyphosat kann krebsauslösend sein. Außerdem gelangt beides in Grund- und Trinkwasser. In Glyphosat sind Tallowamine zugesetzt. Diese setzen Oberflächenspannung herab und das Gift kann besser in die Pflanze gelangen. Leider auch beim Duschen durch die Haut der Menschen. Die Beimischung der Tallowamine ist in der EU nicht mehr erlaubt. Gensoja-Importe aus Nord- und Südamerika werden aber nur selten auf ihre Rückstände kontrolliert.

Prof Andrioli und seine Mitstreiter haben 2009 eine Universität im Süden gegründet, die sich um Bildung junger Menschen auf dem Land kümmert. Landwirte sitzen in den Entscheidungsgremien dieser Universität. Ein Schwerpunkt dieser Universität ist Nachhaltigkeit und Erhaltung der Biodiversität.

Der Vortrag wurde aufgezeichnet und kann hier angeschaut werden:

Vortrag 1. Teil: https://youtu.be/QsGzdgdIR2M
Vortrag 2. Teil: https://youtu.be/3CTr3AiMGTA
Vortrag 3. Teil: https://youtu.be/Nzy0VMYeleQ


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