>> Blausteiner Nachrichten Nr. 12 <<
22.3.2019

„Die Kuh: (k)ein Klimakiller??“

Schon seit Langem wird der Beitrag der großen Widerkäuer zur Treibhausgas-Problematik beklagt. Ihre zweifelhafte Rolle in dieser Hinsicht ist vor allem dann nicht zu bestreiten, so lange sie in Massentierhaltung ganz überwiegend im Stall leben und „am La Plata weiden“, sprich zu einem wesentlichen und artfremden Anteil mit Körner-Kraftfutter wie z. B. Mais und Soja aus Übersee zu unnatürlich hohen Milchleistungen gedrängt werden.

Ganz anders stellt sich die Situation bei artgerechter ganzjähriger Freiland-Weidehaltung dar. Bei unserer diesjährigen Mitgliederversammlung haben wir uns dazu durch die Video-Aufzeichnug eines Vortrags von Anita IDEL, führende Mitautorin des jüngsten Weltagrarberichts, zum Thema Pfeil „Potenziale nachhaltiger Beweidung“ informieren lassen.

Ihr primärer Ansatz: Wie entstand Bodenfruchtbarkeit bevor der Mensch mit Ackerbau und Gartenwirtschaft sesshaft wurde? Noch heute hat Grasland weltweit den flächenmäßig größten Anteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche, noch vor Wald. Die größten Ebenen mit den fruchtbarsten Böden sind allesamt aus der jahrtausendelangen Koevolution von Gras mit wandernden Weidetieren hervorgegangen. Die nordamerikanischen Prärien, die südamerikanischen Pampas, die ukrainische Schwarzerdeböden, die norddeutschen 100-Punkte Böden, die z. T. ehemaligen „Kornkammern“ der iberischen Halbinsel und Nordafrikas sind allesamt Steppenböden, sind oder waren Grasland und waren Weideland für Abermillionen von Weidetieren, auch wenn das heute großenteils in Vergessenheit geraten ist.

„Gras braucht Fraß“: während andere Pflanzenarten sich durch Giftstoffe, Bitterstoffe oder Stacheln vor Verbiss schützen, löst die Beweidung einen Wachstumsimpuls im Gras aus. Die Vegetatiponsperiode von Gras zählt im pflanzlichen Vergleich zu den längsten. Der heute CO2-zehrende Zuwachs von Biomasse oberirdisch aber fast wichtiger noch von Wurzeln im Boden führt über die Arbeit von Regenwürmern und Mikroorganismen zum Humus von morgen.

Bei keinem Pflanzentyp ist das Verhältnis Wurzelmasse zu oberirdischer Biomasse so hoch wie bei Gras. Jede zusätzliche Tonne Humus im Boden entlastet die Atmosphäre um ca 1,8 Tonnen CO2. Die „schlechten“ Ergebnisse aller Studien zu Wiederkäuern sind nicht den Wiederkäuern geschuldet sondern dem schlechten Studiendesign, das sich nicht an dem artgerechten Grasfutter ausrichtet sondern Kraftfutter einbezieht, welches in der Tat schlecht verwertet wird. Die Emissionen werden beachtet, aber nicht der gesamte Stoffkreislauf.

Fazit: Klimakiller ist nicht die Kuh, Klimakiller ist der Mensch mit seiner Wirtschaftsweise.

Pfeil Quelle: Lebendige Erde 1/2016

Pfeil Anita Idel: Potenziale nachhaltiger Beweidung

 


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