>> Blausteiner Nachrichten Nr. 22 <<
31.5.2019

„Glyphosat – wirksam bis ins dritte Glied“

Die Diskussion um akute Gesundheitsgefahren durch Glyphosat nimmt mittlerweile einen breiten Platz in der medialen Öffentlichkeit ein, wirksam befeuert durch aktuelle spektakuläre Rechtsverfahren. Zunehmende Beachtung findet auch die fatale Beeinträchtigung der Biodiversität nicht nur durch Glyphosat, sondern durch Biozide allgemein.

Jedoch fast gar nicht wahrgenommen wird in der Öffentlichkeit bisher ein weiterer, geradezu heimtückischer Wirkungspfad. Ein Forscherteam der Washington State University setzte weibliche Ratten während einer frühen Phase ihrer Trächtigkeit Glyphosat aus, in einer für die Tiere bisher als harmlos geltenden Dosis. In der Tat hatte der Unkrautvernichter auf die Rattenmütter selbst keine nachweisbare Wirkung, wohl aber auf ihre Jungen, bei denen Erkrankungen der Keimdrüsen, Milchdrüsen und Nieren bis zu viermal häufiger auftraten als bei Tieren in Kontrollgruppen ohne Glyhosat-Exposition. Für die erste Generation ihrer Nachkommen war das zunächst eigentlich keine Überraschung. Schon lange ist bekannt, wenn auch von den Zulassungsbehörden unverantwortlicher Weise weitgehend ignoriert, dass es für Embryonen, Föten und Heranwachsende sensible Phasen gibt, in denen sie auf Giftstoffe weitaus empfindlicher reagieren als Erwachsene.

Darüber hinaus stellten die Forscher aber fest, dass diese Gesundheitsschäden ohne erneute Gift-Einwirkung auch in der zweiten und dritten Folgegeneration auftraten!! Sie führen dies auf „epigenetische“ Effekte zurück, also darauf, dass die Erbanlagen der betroffenen Tiere zwar nicht direkt verändert wurden, dass jedoch – was man erst in neuerer Zeit erkannte - durch Einflüsse im individuellen Lebensverlauf das Aktivierungsmuster der Erbanlagen verändert werden kann und dies u. U. über weitere Folgegenerationen hinweg wirksam bleibt.

Ähnliche Effekte wurden in der Vergangenheit auch schon bei weiteren Bioziden beobachtet. Für ihre toxikologische Beurteilung müssten also alle Alarmglocken schrillen, verantwortungsvolle Prüfverfahren müssten künftig generell generations-überschreitende Wirkungen einbeziehen.

Quellen:
Pfeil Deutschlandfunk (Innerhalb der „Meldungen aus der Wissenschaft“ das fünfte Thema)
Pfeil Scientific Reports (Assessment of Glyphosate Induced Epigenetic Transgenerational Inheritance of Pathologies and Sperm Epimutations: Generational Toxicology)
Pfeil André Leu, Die Pestizid-Lüge (oekom-Verlag)


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