>> Blausteiner Nachrichten Nr. 39/40 <<
27.9.2019/4.10.2019

„Biodiversitätsverlust“

Der Zustand der globalen Biodiversität ist besorgniserregend. Dies bestätigte der Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) im Mai. 25 Prozent aller Arten sind vor dem Aussterben bedroht. Erschreckend ist die Geschwindigkeit mit der dies passiert. Einige Wissenschaftler*innen sprechen vom sechsten großen Massenaussterben seit Entstehung der Erde. Das Aussterben von Arten ist zwar ein ständiger Vorgang, aber die menschlichen Aktivitäten haben einen erheblichen Einfluss auf die Verminderung der Biodiversität. Veränderungen in der Land- und Meeresnutzung sowie die direkte Entnahme von Organismen aus Ökosystemen sind die zwei Hauptverantwortlichen, die im IPBES Bericht herausgearbeitet werden. Klimawandel, Umweltverschmutzung und invasive Arten verstärken den Trend. Der Verlust an genetischer Vielfalt hat stark zugenommen. Außergewöhnlich wichtig ist diese Vielfalt an Genen für die Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen, Krankheiten oder Feinde. Wenn die Variabilität (genetische Flexibilität) innerhalb einer Art zu gering ist, kann Inzuchtdepression drohen. Das heißt ungünstige Gene treten vermehrt im Genpool auf, was zu einer geringeren Widerstandskraft gegen Krankheit führen kann. Wichtig ist, dass ein Genpool nicht isoliert wird, dann können Individuen zu- und abwandern was den genetischen Austausch erhält.

Die Vergrößerung von Städten, Ausbau des Straßennetzes, Ausweitung von landwirtschaftlich genutzten Flächen zerstören Lebensräume und verringern die Verbundenheit der verbleibenden. Landnutzungsänderungen haben weltweit Auswirkungen auf Land- und Süßwassersysteme. Lt. Bericht sind seit 1980 42 Millionen Hektar tropischen Regenwald in Lateinamerika abgeholzt, um für Fleisch- und genverändertes Soja-Produktion Platz zu schaffen.

Die Biodiversität nimmt nicht nur in der freien Natur ab. Die Vielfalt der Nutzpflanzen und Nutztieren wird zunehmend geringer. Auch die Biodiversität der landwirtschaftlich genutzten Arten von Hühnern oder Äpfeln hat dramatisch abgenommen. Im IPBES-Bericht steht, dass bis 2016 bereits 559 der 6.190 landwirtschaftlich genutzten Tierrassen ausgestorben waren und mindestens 1.000 Rassen weiterhin bedroht sind. Mehr als 90 Prozent aller landwirtschaftlich genutzten Pflanzen sind weltweit bereits verschwunden. So gibt es z.B.von den 55 bekannten Kohlrabisorten mittlerweile nur noch drei. Die Gründe für dieses Verschwinden von Nutzrassen und -sorten sind divers. Landwirtschaft ist, vor allem durch die sogenannte grüne Revolution angetrieben, einheitlicher geworden. Durch den Einsatz von Maschinen, Pestiziden und chemischem Dünger wird die Bewirtschaftung von Flächen und Tieren kurzfristig ökonomisch effizienter. Dieses inputintensive Landwirtschaftsmodell basiert auf standardisierten Pflanzen und Tieren, Böden und Umweltbedingungen. Tiere und Pflanzen werden in der Zucht auf eine oder wenige Eigenschaften spezialisiert, um den Ertrag zu erhöhen. Mit der „grünen Revolution“ einher ging auch die Ausweitung von geistigen Eigentumsrechten auf Pflanzen und Tiere. Seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts beschränken diese den Zugang auf Tierrassen und Pflanzensorten für Anbau und Zucht und verringern hierdurch die Vielfalt.

Durch die Biotechnologie werden neue Verfahren in Zucht an neuen Pflanzensorten- und Tierrassen ermöglicht. Das Entstehen von neuen Sorten und Rassen wird von der landwirtschaftlichen Praxis zu hochspezialisierten Instituten verschoben. Viel Geld ist nötig, um solche Sorten entwickeln zu lassen, global zu bewerben und zu vermarkten. In vielen Teilen der Welt hat die Industrialisierung der Landwirtschaft zu größeren Betrieben mit viel größeren Feldern geführt So entstand ein sicherer Absatzmarkt für dieses industrielle Saatgut. 60 % des globalen Saatgutmarkts teilen sich nur drei große Unternehmen. Die Entfaltungsmöglichkeit für unterschiedliche Anforderungen an Pflanzen und Tiere, Umwelt- und Bodenbedingungen und eine selbstbestimmte Ernährung ist in den letzten Jahrzehnten dadurch stark eingeschränkt worden.

Innerhalb dieser Entwicklung sind auch die alte und neue Gentechnik zu verzeichnen. Diese im Labor entwickelten gv-Pflanzen und Tiere sind mit Eigenschaften ausgestattet, die einer intensiven industriellen Landwirtschaft zugutekommen. Diese Technologie hat auch die Patentierung von Pflanzen und Lebewesen initiiert. Gentechnisch verändertes Saatgut wird meist im Produktpaket mit dem passenden Pestizid verkauft. Der Einsatz von Pestiziden hat schwere Folgen für die Agrobiodiversität. Ackerwildpflanzen, Grundlage eines gesamten Nahrungsnetzes von Insekten, Säugetieren und Vögel verschwinden.

Klimawandel, invasive Arten und Umweltverschmutzung verändern die Anforderungen an Landwirtschaft. Was für die Biodiversität in der Natur gilt, gilt auch für die Biodiversität bei den Nutztieren und -pflanzen. Unterschiedliche Umweltbedingungen, reger Austausch zwischen den Populationen und eine stabile Populationsgröße sind die ausschlaggebenden Faktoren für anpassungsfähige und gesunde Arten.

Quellen:
Pfeil http://gen-ethisches-netzwerk.de/agrarpolitik/250/die-biodiversitaet-der-gene


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