>> Blausteiner Nachrichten Nr. 44 <<
31.10.2019

„Artenvielfalt nutzt der Landwirtschaft“

Rund 20 Prozent der Agrarflächen weltweit bringen heute weniger Erträge als vor 20 Jahren. Schuld daran sei der Mensch, so die Welternährungsorganisation FAO: Er habe nicht genug für den Schutz des Artenreichtums getan.

Felder mit hoher Vielfalt in einer kleinteiligen Agrarlandschaft bieten einen besseren Lebensraum für Tier- und Insektenarten, die wertvolle Dienstleistungen wie Bestäubung und biologische Schädlingskontrolle erbringen. Dies wirkt sich letztendlich positiv auf die Erträge aus. Ein mehr als 100 Wissenschaftler umfassendes internationales Forscherteam hatte 89 Studien ausgewertet, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Landnutzung, Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen befassen. Insgesamt wurden 1475 Standorte weltweit untersucht – von Maisäckern in den USA über Rapsfelder in Südschweden, Kaffeeplantagen in Indien und Mangoplantagen in Südafrika bis hin zu Weizenfeldern im Alpenraum. Die Ergebnisse zeigen, dass weniger Artenvielfalt zu weniger biologischer Schädlingskontrolle und weniger Bestäubungsleistungen in Agrarlandschaften führt. Weitaus stärker als der Verlust der Insektenmenge wirke sich der Rückgang der Vielfalt aus.

„Die Natur ist in vielerlei Hinsicht eine herausragende Dienstleisterin für die Landwirtschaft“, betonen Wissenschaftler der Universität Würzburg. Bienen und Hummeln bestäuben Obstbäume und andere Nutzpflanzen. Schlupfwespen und Raubkäfer fressen Schädlinge, die sich sonst über die Ackerfrüchte hermachen würden. Dazu kommen viele weitere Tierarten, die quasi gratis für den Menschen arbeiten. „Zum Beispiel sind Landwirte weniger auf den Einsatz von Insektiziden angewiesen, wenn eine natürliche Schädlingskontrolle durch eine hohe Biodiversität in Agrarökosystemen gewährleistet ist“, sagt Matteo Dainese, der Hauptautor der Studie. Brechen diese Ökosystem-Dienstleistungen weg, verursacht ihr Ausfall auch eine deutliche Ertragsreduktion. „Eine möglichst große Biodiversität in den Agrarökosystemen wird zunehmend wichtig sein, um Erträge zu sichern und die Auswirkungen des globalen Wandels abzufedern.“

Die Wissenschaftler betonen, dass für eine möglichst große Biodiversität gesorgt werden muss, damit sich die Menschheit diese Gratis-Dienstleistungen der Natur nachhaltig sichern kann. Einen wichtigen Einfluss auf die Artenvielfalt auf den Feldern hat dabei die Ausgestaltung der Agrarlandschaft. Je kleinteiliger die Agrarlandschaft desto höher die Vielfalt an fleißigen Helferlein auf dem Acker. Wo dagegen große Monokulturen vorherrschen, sind Vielfalt und Menge der nützlichen Lebewesen deutlich verringert. „Wir haben festgestellt, dass die Vereinheitlichung der Landschaft indirekt die Ökosystemleistungen beeinflusst, indem sie den Reichtum an leistungserbringenden Organismen reduziert“, schreiben die Forscher. Das betrifft vor allem die Insekten, die nützliche Dienste erweisen, indem sie Schädlinge fressen. Politik und Gesellschaft sollten sich daher einer weiteren Verarmung der Agrarökosysteme entgegenstemmen.

Quellen:
Pfeil Weltagrarbericht
Pfeil Universität Würzburg


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Hosenbiene

Eine mit Pollen beladene Hosenbiene an einer Wegwarte:
Zahlreiche Bienenarten tragen zur Bestäubung in
Agrarlandschaften bei.
(Bild: Ingolf Steffan-Dewenter / Universität Würzburg)