>> Blausteiner Nachrichten Nr. 26 <<
26.06.2020

„Bienen im Visier der Gentechnik“

Honigbienen gelten als das nach Rind und Schwein wirtschaftlich wichtigste Nutztier. So überrascht es nicht, dass jetzt auch sie ins Visier der sogenannten „neuen Gentechnik“ geraten sind. Bei der „alten Gentechnik“ ging die Bedrohung für Bienen vom Anbau von gv-Pflanzen und dem damit einhergehenden Verlust ihrer natürlichen Lebensräume und Nahrungsgrundlage aus und führte bei den Imkern zu wirtschaftlichen Einbußen, weil der mit gv-Pollen verseuchte Honig nicht verkauft werden durfte.

Jetzt sind die Bienen selbst das Ziel genetischer Veränderungen. Der wirtschaftliche Wert der Bestäubung durch Bienen und andere Insekten wird von dem Biodiversitätsrat der Vereinten Nationen auf 235 bis 577 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt. Abgesehen von Bestäubungsprämien, die Imker für das Aufstellen ihrer Völker in manchen Monokulturen erhalten, handelt es sich bei diesen Beträgen bisher um einen virtuellen Wert. Bestäubung ist einer der Faktoren, den die Agrarkonzerne bisher noch nicht in der Hand haben. Es wird vermutet, dass die Agroindustrie diesen Zustand ändern will und die Honigbiene deshalb ins Visier genommen hat. Ein Fernziel könnte sein, Bienen gentechnisch so zu manipulieren, dass sie durch gezieltes Ein- und Ausschalten von Genen zur Bestäubung auf ausgewählte Felder gelenkt werden können.

Vordringlich ist den Konzernen aber der Versuch, die Akzeptanz ihrer Insektizide zu erhöhen, indem sie den Bienen Resistenz gegen diese Mittel verleihen. Dass Insektizide eine schädigende Wirkung auf Bienen haben, wird auch von den Herstellern nicht mehr abgestritten. An der Produktion von Wirkstoffen, wie etwa den besonders bienenschädlichen Neonicotinoiden, ändert diese Einsicht nichts. Statt dessen sollen nun die Bienen durch gentechnische Veränderungen an das System der pestizidgestützten Landwirtschaft angepasst werden. So wurde in den USA ein Patent auf eine Methode angemeldet, mit der Honigbienen die Fähigkeit erlangen sollen, sich an Neonicotinoidbelastungen „anzupassen“. Dabei sollen die Bienen mit gentechnisch manipulierten Bakterien geimpft werden, die Neonicotinoide abbauen können. Gentechnisch veränderte Darmbakterien sollen auch bei der Bekämpfung der von den Imkern gefürchteten Varroamilben helfen. Ob dabei bedacht wurde, dass diese Bakterien, welche grundsätzlich schnell mutieren können, auch auf andere Tiere oder den Menschen überspringen können?

Quelle:
Pfeil Gen-ethischer Informationsdienst Nr. 253



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