>> Blausteiner Nachrichten Nr. 44 <<
30.10.2020

„Bananen in Gefahr“

Bananenplantagen sind weltweit von Pilzkrankheiten bedroht. Die allermeisten Kulturbananen sind für Krankheiten allgemein besonders anfällig, weil sie keine Samen ausbilden und daher ausschließlich über Setzlinge vermehrt werden, also genetisch identisch mit der Mutterpflanze sind. Dazu kommt, dass der Anbau in Monokulturen auf die Spitze getrieben wurde: eine einzige Sorte, „Cavendish“, macht 99 % aller Exportbananen aus. Ihre Anfälligkeit gegenüber Pilzkrankheiten bedingt eine intensive Pestizidbehandlung.

Die Suche nach resistenten Wildbananen läuft auf Hochtouren, doch wäre auch im Erfolgsfall eine Einkreuzung wegen der Stecklingsvermehrung bei Cavendish alles andere als einfach.

Da liegt es nahe, auf gentechnische Züchtungen zu setzen. Gegen die für den Weltmarkt bedeutsame Pilzkrankheit „Black Sigatoka“,welche die Blätter befällt, wurde schon 2003 die baldige Markteinführung gentechnisch resistent erzielter Bananen angekündigt, die es aber bis heute nicht gibt. Was es aber seit neuestem gibt, zunächst auf dem französischen Markt, sind konventionell gezüchtete Sigatoka-resistente Bananen von den französisch-westindischen Inseln Martinique und Guadeloupe, die dort nach agrarökologisch umgestaltetem Anbausystem in Bio-Qualität erzeugt werden. Sie wachsen ohne Pestizide unter Schattenbäumen in Mischkultur, auf den Weltmarkt bezogen vorerst in relativ geringem Maßstab, aber als vielversprechender Anfang.

Diese Erfolgsgeschichte macht Mut für eine weitere, noch ungelöste und anspruchsvollere Aufgabe. Gegen den hochaggressiven Bodenpilz „Tropical Race 4“, der die Cavendish-Bananenstauden von den Wurzeln her langsam aber sicher tötet, gibt es kein wirksames Fungizid. Die befallenen Flächen sind für den Bananenanbau verloren, denn der Pilz überlebt jahrelang im Boden. Er hat sich über Asien und Afrika nun bis nach Mittelamerika ausgebreitet, woher 80 % der Bananen für den Weltmarkt stammen. Für Verbraucher ist der Pilz völlig ungefährlich, er dürfte freilich zu höheren Preisen führen. Für die Exportländer ist er dagegen existenzbedrohend, sowohl wegen der Verluste entscheidender Einnahmen, als auch wegen der Gefahr, dass ein wichtiges Grundnahrungsmittel womöglich bald nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht.

Wie könnte es inzwischen anders sein, Agrogentechniker hoffen, mit Hilfe der Genschere Crispr/Cas die Cavendish-Banane resistent gegen diesen Pilz zu machen und sie schon 2023 auf den Markt zu bringen. Die Experten aus Französich-Westindien sehen hingegen den einzigen Ausweg in der Abkehr von der Cavendish-Monokultur hin zu erhöhter genetischer Vielfalt verbunden mit agrarökologisch ausgerichteten Anbausystemen. Eine internationale, gentechnikfreie Allianz aus Bananenforschern, Züchtern und Anbauern ist geplant, um diesen Weg zu verwirklichen.

Weitere Infos unter:
Pfeil Informationsdienst Gentechnik 17.03.2020
Pfeil
oekotest.de/essen-trinken/Gefaehrlicher-Pilzbefall-Unsere-Banane-ist-in-Gefahr-


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