>> Blausteiner Nachrichten Nr. 08 <<
26.2.2021

„Globales Bienensterben auf dem Vormarsch“

Die Zahl der Wildbienenarten ist weltweit rückläufig. Eine globale Analyse kommt zu dem erschreckenden Ergebnis, dass die wichtigen Bestäuber höchstwahrscheinlich nicht nur hierzulande, sondern rund um den Globus in Bedrängnis sind. Hauptursache ist die Zerstörung von Lebensräumen durch intensive Landnutzung.

Zwischen 2006 und 2015 wurden ca. 25 Prozent weniger Arten von Wildbienen gefunden als im Zeitraum vor 1990, und das obwohl es mittlerweile deutlich mehr Insektenzählungen und Beobachtungsprojekte gibt als früher. Wissenschaftler analysierten dafür Aufzeichnungen aus den letzten dreihundert Jahren.

Es wurde nun festgestellt, dass die dokumentierte Anzahl der Bienenarten auf allen Kontinenten rückläufig ist. Das bedeutet nicht unbedingt, dass alle diese Wildbienenarten ausgestorben sind, lässt jedoch zumindest darauf schließen, dass ihre Zahl soweit zurückgegangen ist, dass sie nicht mehr regelmäßig in der Wildnis beobachtet werden können. Es liegt also nahe, dass die lokalen Beobachtungen zum Bienensterben widerspiegeln, was global vor sich geht.

Als wichtigste Ursache für den Rückgang von Bienen, Bestäubern und anderen Insekten nennt mehr als die Hälfte aller Fachveröffentlichungen die einschneidenden Veränderungen des Lebensraums der Tiere. Ein Haupttreiber dafür ist die industrielle Landwirtschaft, die Flächen in ausgeräumte, von Monokulturen dominierte Agrarwüsten verwandelt, die kaum Lebensraum und Futter bieten. Auch unter dem hohen Einsatz von Pestiziden in den konventionellen Anbaumethoden leiden Bienen, Schmetterlinge und Käfer. Besonders die sogenannten Neonicotinoide setzen den Tieren zu. Diese Substanzen wirken systemisch – das heißt sie können die gesamte Pflanze durchdringen (Wurzel, Blätter, Nektar, Pollen, etc.) und bleiben nicht an der Oberfläche. Nimmt ein Tier irgendeinen Teil davon auf, kommt es mit dem Gift in Kontakt, das bereits in sehr kleinen Mengen Insekten töten oder ihr Nervensystem schädigen kann.

Um dem traurigen Trend etwas entgegenzusetzen, müssen diese hochgefährlichen Bienengifte dringend vom Markt. Tatsächlich wurden in den letzten Jahren in der EU mehrere Neonicotinoide für den Freilandanbau verboten. Doch für dieses Jahre wurden in Deutschland trotz aller Bekundungen zum Insektenschutz Notfallzulassungen erteilt, die es erlauben, das eigentlich verbotene Neonicotinoid Thiamethoxam im Zuckerrübenanbau zu verwenden – ein gewaltiger Rückschritt für den Schutz von Bestäubern. Außerdem sind sogenannte „neue Bienengifte“ wie Cyantraniliprol, die ganz ähnlich wirken wie die Neonicotinoide, nach wie vor standardmäßig im Einsatz.

Große Teile unserer Nahrungsmittelproduktion hängen von der Bestäubung durch Insekten ab. Wenn wir Bienen und andere Bestäuber schützen, sichern wir also auch unsere eigenen Lebensgrundlagen. Doch dafür ist es unerlässlich, die Art und Weise zu verändern, wie wir unsere Lebensmittel anbauen. Dazu brauchen wir Anbaumethoden, die Artenvielfalt fördern statt sie zu zerstören. Statt flächendeckendem Gifteinsatz vielfältige Fruchtfolgen, die Förderung von Nützlingen, geeignete Sortenwahl und die Förderung von gesunden Böden.

Quelle: Pfeil umweltinstitut.org

Dort auch Hinweise zu weiterführenden Texten.

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