>> Blausteiner Nachrichten Nr. 17 <<
30.4.2021

„Landwirtschaft im Klimawandel“

Längst ist der Klimawandel in der Landwirtschaft angekommen und die mit ihm verbundenen Herausforderungen, besonders im globalen Süden. Er erfordert Anpassungen, z. B. im Hinblick auf Trockenheits- und Salztoleranz, und zwar deutlich schnellere und weitergehende als bisher. Und längst verspricht die Agroindustrie, mit ihren Methoden Abhilfe zu schaffen. Das ist bisher im Großen und Ganzen nicht gelungen. Mit dem Einsatz der neuen Gentechnik wird das Heilversprechen erneut lauthals beschworen.

Doch an den erwünschten Eigenschaften sind sehr viele Gene beteiligt. Man kennt diese Gene noch gar nicht alle, und kann sie erst recht nicht aufeinander abgestimmt schnell und zielgenau verändern.

Dessen ungeachtet wird mit immensem Einsatz von Kapital eine dürretolerante „smarte“ Landwirtschaft beworben, die dem Geschäftsinteresse folgend schwerpunktmäßig auf Hybrid-Saatgut und genveränderte (gv-)Sorten setzt. Dieses Saatgut hat einen hohem Bedarf an Agrarchemie und kann nicht nachgezüchtet werden. Zumal in einer weitgehend kleinbäuerlich geprägten Landwirtschaft führt dies zu Verschuldung und zu Verlusten der traditionellen Sortenvielfalt. Die Gefahr existenzbedrohender Abhängigkeiten von multinationalen Agrarkonzernen ist groß.

Bei herkömmlicher Züchtung in ökologischen Agrarsystemen sind neue Eigenschaften in den Nutzpflanzen deutlich stabiler verankert als bei Manipulation einzelner Gene in ihrer DNA. Die Pflanze selbst entscheidet im Ökoanbau wie ihr Erbmaterial in der neuen Kombination reagiert. Samenfestes Saatgut ist genetisch deutlich breiter aufgestellt als aktuelle Hochleistungssorten. Die einzelnen Pflanzen auf dem Acker variieren stärker und bieten so ein hohes Potential zur Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen.
Schon ohne Züchtung kann es Erfolge geben. So fand man in 2000 verschiedenen Trocken-Reissorten zwölf Sorten, die einige Tage Überflutung überlebten, 18 Sorten hielten Dürre gut stand, 20 Sorten tolerierten Salzwasser und 24 Sorten widerstanden bestimmten lokalen Schädlingen. Solche Sorten kann man in die Züchtung einbringen ohne genetisch neue Konstrukte nach aufwendiger Risikokontrolle freizusetzen.

Der zögerliche Einsatz ökologischer Anbausysteme gegenüber agrotechnologischer Hochrüstung dürfte zu einem erheblichen Teil den wirtschaftlichen Interessen veralteter Branchen zuzuschreiben sein. Gesetzliche Rahmenbedingungen anstelle „freiwilliger Selbstverpflichtung“ würden mehr Nachhaltigkeit begünstigen.

Quelle:
Pfeil Gen-ethischer Informationsdienst Nr.255, November 2020


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