>> Blausteiner Nachrichten Nr. 20 <<
21.5.2021

„Glyphosat schadet Insekten indirekt“

Eine Studie des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie in Jena verdeutlicht erneut, dass das berühmt-berüchtigte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat auch Insekten bedroht. Es kann symbiotische Bakterien hemmen, die für die Bildung des Außenskeletts einiger Arten notwendig sind. Dies geht aus Untersuchungen an Käfern hervor. Durch diese Schwächung könnte Glyphosat somit auch eine Rolle beim Insektensterben spielen.

Da Glyphosat ein Enzym angreift, das bei Tier und Mensch nicht vorkommt, galt es lange als unbedenklich. Doch dann wandelte sich dieses Bild. Einige Studien attestierten der Substanz krebserregende Wirkung – andere widersprachen diesem Befund allerdings, was heftige Kontroversen auslöste. Angeheizt wurden sie zudem durch Hinweise darauf, dass Glyphosat Bienen schädigt, indem es ihre Darmbakterien beeinträchtigt.

Dabei kam ein Aspekt zum Tragen, den man zunächst kaum bedacht hatte. Glyphosat hemmt zwar nur den sogenannten Shikimat-Stoffwechselweg, der bei Tieren nicht vorkommt, aber neben Pflanzen nutzen ihn auch einige Mikroorganismen. Somit sind Tiere nur vermeintlich sicher vor der Wirkung. Es wurde bereits gezeigt, dass Glyphosat negative Auswirkungen auf Mikroorganismen im Darm von Honigbienen hat, wodurch sie anfälliger für verschiedene Stressfaktoren werden.

Im Fokus der Untersuchungen stand nun die Symbiose von Insekten mit Bakterien. Viele Arten besitzen in bestimmten Zellen spezialisierte Mikroben, die für sie Bausteine herstellen. Sie bilden aromatische Aminosäuren für den Aufbau des Außenskeletts (Kutikula) der Insekten. Bei mangelhafter oder fehlender Versorgung mit diesen Substanzen kann die Außenhülle ihre Schutzfunktion gegenüber Trockenheit oder Feinden nicht gewährleisten. Was den Mikroben schadet, schwächt somit auch die Insekten.

Versuche mit dem Getreideplattkäfer (Oryzaephilus surinamensis) bestätigten: Setzte man die Versuchstiere praxisrelevanten Mengen von Glyphosat aus, wurde die Etablierung der symbiotischen Bakterien während der gesamten Käferentwicklung gehemmt, wodurch der Nutzen der Mikroben für die Bildung der Kutikula vollständig aufgehoben wurde. Konkret bedeutet das, dass sie nur eine schwache Schutzhülle ausbildeten.

Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass die Anwendung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat in der Landwirtschaft die lebenswichtigen symbiotischen Beziehungen zwischen Insekten und Mikroorganismen gefährdet und somit ein ernstes Problem für Ökosysteme darstellen kann.

Möglicherweise handelt es sich dabei um einen Faktor, der zu dem dramatischen Rückgang der Insektenbestände in den letzten Jahrzehnten beiträgt. Auch beim Einsatz von alternativen Herbiziden sollten potenzielle Nebenwirkungen auf Tiere und deren assoziierte Mikroorganismen daher sorgfältig überprüft werden.

Quellen und weiterführende Informationen:

Pfeil https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/glyphosat-schadet-insekten-indirekt/

Pfeil https://www.nature.com/articles/s42003-021-02057-6#Sec7

Pfeil https://www.mdr.de/wissen/pflanzenschutzmittel-glyphosat-schadet-insekten-100.html

Pfeil https://www.berliner-zeitung.de/open-source/neue-studie-glyphosat-schadet-insekten-nachweislich-li.158525

Pfeil https://idw-online.de/de/news768350 Gen-ethischer Informationsdienst Nr.255, November 2020


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