>> Blausteiner Nachrichten Nr. 37 <<
18.9.2021

„Die Folgen der Gentechnik mit Gentechnik ausgleichen?“

Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach über das unerfüllte Versprechen der Agrochemiefirmen berichtet, dass durch Anbau genveränderter (gv) Nutzpflanzen der Einsatz von Spritzmitteln reduziert werde. In Ländern, die den Anbau von gv-Nutzpflanzen erlauben, sind die ausgebrachten Herbizid- und Pestizidmengen zwar anfänglich leicht zurückgegangen, inzwischen aber wegen der zunehmenden Ausbildung von Resistenzen aber dramatisch angestiegen. So sollen mittlerweile 586 Insektenarten, 252 Unkräuter und 235 pathogene Pilze gegen mindestens einen Pestizidwirkstoff resistent sein. In Europa will die EU-Kommission nach langem Drängen der Umweltverbände bis 2030 den Einsatz von Pestiziden um die Hälfte reduzieren. Passiert das, hat die Agro-Industrie ein Problem. 50 Prozent weniger Pestizide würden herbe Verluste für das Geschäftsmodell industrielle Intensivlandwirtschaft bedeuten. Die Industrie hat hier aber schon vorgebaut: Neue gentechnische Verfahren, bei denen es zu keinem Eingriff in die Erbsubstanz kommt, sollen das Problem lösen. Der Lösungsansatz beruht auf Prinzipien, die entfernt an die Entwicklung der Covid-19 Impfstoffe erinnern. Es handelt sich um sogenannte RNSi-Sprays, die sich wie ein herkömmliches Pestizid versprühen lassen, zugleich aber angeblich unschädlich, natürlich und zielgenau sein sollen (RNS = Ribonukleinsäure).

RNSi-Sprays basieren auf dem Prozess der RNS-Interferenz, die bei fast allen Lebewesen mit Zellkern auftritt und zu Regulierungszwecken die Aktivität bestimmter Gene abschalten kann. Sie kann aber auch die Gene von Viren lahmlegen und dient so der natürlichen Virenabwehr. Mit Hilfe einer doppelsträngigen RNS (dsRNS) imitieren RNSi-Sprays das natürliche Stilllegen von Genen. Dazu wird die dsRNS im RNSi- Spray so konstruiert, dass sie wie der Schlüssel zum Schloss einer bestimmten Boten-RNS (mRNS) im Zielorganismus passt und dort einen RNS-„Schnipsel“ anhängen kann, der die betreffende Boten-RNS blockiert. Dadurch kann die Produktion eines für den Schadorganismus lebenswichtigen Proteins blockiert werden, so dass dieser Organismus abstirbt. Bei dem ganzen Prozess bleibt das Erbgut in der DNS unangetastet. Das Verfahren fällt daher bisher nicht unter die EU-Risikobewertung für genveränderte Organismen. Allerdings gibt es auch noch keine rechtlichen Rahmenbedingungen für das Spritzen mit dsRNS als Pflanzenschutzmittel.

Eine multinationaler Agrochemiekonzern entwickelt derzeit eine umfangreiche RNSi-Produktlinie mit dem Ziel, die zunehmende Glyphosatresistenz von Ackerunkräutern rückgängig zu machen: Nutzpflanzen sollen mit „klassischer“ Gentechnik so verändert werden, dass sie die dsRNS, also sozusagen das Spritzmittel, selbst produzieren. Im Übrigen wird auch die für den Einsatz als Spritzmittel bestimmte dsRNS von genveränderten Organismen (Bakterien) hergestellt.

Gentechnik-Probleme sollen durch Gentechnik gelöst werden!


Quellen:
Pfeil Genethischer Informationsdienst 257

Pfeil transgen.de/forschung/1548.rnai-viren-schaedlinge.html


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