>> Blausteiner Nachrichten Nr. 41 <<
15.10.2021

„Weitere Aspekte zur Agrarwende“

Schon früher (vgl. Pfeil BN vom 23.07.21) haben wir über Gesichtspunkte zur anstehenden Agrarwende berichtet, wie sie z. B. von Maria Finkh, Professorin für ökologischen Pflanzenschutz an der Universität Kassel, betont werden. Dazu heute noch einige Ergänzungen.

Viel zu wenig wird bisher beachtet, dass die Produktivität pro Flächeneinheit bei Betrieben von drei bis vier Hektar am höchsten ist. Zwar ist die Produktivität pro Arbeitskraft durch Maschineneinsatz in größeren Betrieben höher. Im Hinblick auf die Welternährung, also global betrachtet, bedeuten riesige Betriebe jedoch eine Landverschwendung. Selbst hierzulande sehen viele Bäuer*innen keinen Nutzen mehr in größeren Maschinen und höherem Pestizid-Aufwand. Forschungsansätze zeigen viele deutlich erhöhte Ökosystem-Leistungen bei neuen Anbaumethoden in langen Streifen oder kleinen Quadraten ohne großen Einsatz von Maschinen, Dünger und Pestiziden.

Ein gewaltiger Mangel herrscht im Wissen zur Wechselwirkung von mehreren Pestizidwirkstoffen. Werden Zellmembranen durch einen fettlöslichen Wirkstoff geschädigt, so können weitere Stoffe ins Zellinnere eindringen. Das kann eine bis zu 1000-fache Toxizität bedingen. „Cocktail-Effekte“ sind also extrem ernst zu nehmen. Dennoch bleiben sie in den Zulassungsverfahren unberücksichtigt. Müsste darauf getestet werden, wären Pestizide kaum noch erschwinglich.

Ähnlich mangelhaft steht es um die Erforschung der schon jahrzehntelang bekannten Pseudohormon-Aktivität etlicher Wirkstoffe.

Auch diese Gesichtspunkte müssen in die erforderliche Agrarwende integriert werden, nicht zuletzt durch eine Berücksichtigung im Berufsschul-Unterricht. Davon abgesehen würde zur ökologischen Ausrichtung der Agrarwende eine wirkstoffspezifische Pestizid-Steuer wesentlich beitragen und außerdem ganz unabdingbar eine „Stickstoffbremse“.

Quelle:
Pfeil Genethischer Informationsdienst (GID) 257, 5-2021


PfeilStartseite
Aktuelles


 

Spendenkonto:
IBAN: DE77 6309 1200 0016 7000 07
BIC: GENODES1BLA

Spendenbescheinigungen
werden auf Wunsch gerne
ausgestellt