>> Blausteiner Nachrichten Nr. 46 <<
19.11.2021

„Baumwolle – Die fragwürdige Erfolgsgeschichte der Gentechnik“

Baumwolle wird seit Jahrtausenden zur Herstellung von Textilien und Kleidung verwendet. Außerdem bestehen Teppiche, Bucheinschläge, Kuscheltiere sowie Hygieneartikel und sogar Geldscheine – ganz oder zu Teilen – aus den Pflanzenfasern. Fakt ist: Baumwolle ist in unserem Leben allgegenwärtig. In Anbetracht dessen mag es überraschen, dass ca. 80 Prozent der weltweit angebauten Baumwolle gentechnisch verändert (gv) ist. Denn schon seit über 20 Jahren wird gv-Baumwolle angebaut. Das Versprechen dahinter: Sie soll den Einsatz von Pestiziden verringern und mehr Wohlstand für die Bäuer*innen bringen. Aber ist dies geglückt? Neueste Erkenntnisse zeigen die Komplexität der Lage und zeichnen ein durchwachsenes Bild.

Die Natur schlägt zurück: Bald nach der Einführung von Bt-Baumwolle ab dem Jahr 2002 mehrten sich die Berichte von Resistenzen bei Insekten gegenüber der von Bt-Baumwolle produzierten Insektizide. (Bt - Bacillus thuringiensis, ein insektizid wirkendes Bodenbakterium.) Heute führt in einigen Regionen der Welt, wie zum Beispiel im indischen Bundesstaat Punjab, der Bollwurm wieder zu dramatischen Ernteeinbußen und vermehrtem Insektizideinsatz, auch der Baumwollkapselbohrer zeigt inzwischen Resistenzen.

Verloren gegangen sind sind zum einen die traditionellen Baumwollarten, sehr viel genetisches Material. Auch verloren gegangen ist das Wissen der Landwirt*innen, wie sie selber Saatgut vermehren und Saatgut-Selektionen durchführen können. Durch das Hybridsaatgut müssen sie jedes Jahr neues Saatgut beim lokalen Händler kaufen und können nicht auch ihr eigenes Saatgut behalten und weiter vermehren.

Beim Anbau von Bio-Baumwolle werden keine synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt, sondern man arbeitet mit Pflanzenextrakten, zum Beispiel vom Niembaum oder Chilischoten. Eine weitere Methode ist die Anlegung von Mischkulturen. In einem Feld werden zwischen den Baumwollpflanzen noch andere Pflanzen, die nützliche Insekten fördern, angebaut. Diese Nützlinge ernähren sich von den schädlichen Insekten und reduzieren so ihre Anzahl.

Ein ganz großes Problem in Indien ist, dass die Kleinbäuer*innen, und fast alle Bäuer*innen, die Baumwolle anpflanzen sind Kleinbäuer*innen, nicht kreditwürdig sind. Das heißt sie bekommen keine Kredite von der Bank, aber sie bekommen Kredite von den Agrarhändler*innen. Diese kriegen sie meistens im Paket mit Saatgut, Düngemitteln und Spritzmitteln, für das sie das Geld aber eigentlich nicht haben. Das hat zu großen Problemen in Indien geführt, denn wenn eine Missernte eingetreten ist, waren die Bäuer*innen verschuldet und konnten sich kein neues Saatgut mehr kaufen. Im Biolandbau ist es so, dass die Leute organisierter sind, zum Beispiel in Anbauorganisationen und sich gegenseitig aushelfen. Im Ökolandbau sind außerdem die Produktionskosten niedriger und so kommen die Bäuer*innen nicht in diese Verschuldungsfalle, wie es beim konventionellen Anbau so oft passiert.

Anders als bei gv-Saatgut, Lebens- oder Futtermitteln müssen die Pflanzenfasern beim Import in die EU nicht gekennzeichnet werden. Somit sind unbemerkter Weise in fast allen Kleidungsstücken, Windeln, Handtüchern usw. gv-Baumwollfasern verarbeitet.

Quelle:
Pfeil Genethischer Informationsdienst (GID) 259 (11/2021)


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