>> Blausteiner Nachrichten Nr. 47 <<
26.11.2021

„Wettrüsten auf dem Baumwollfeld“

Seit 1997 wird in den USA gentechnisch veränderte Baumwolle angebaut, die gegen Glyphosat resistent ist. Das führte innerhalb der ersten fünf Jahre zu einer Verdoppelung des Glyphosateinsatzes auf den amerikanischen Baumwollfeldern. Schon vier Jahre nach der Einführung traten bei wilder Baumwolle die ersten Resistenzen gegen Glyphosat auf. Nach weiteren vier Jahren fanden sich Resistenzen bei Fuchsschwanzgewächsen. Resistente Fuchsschwanzgewächse treten inzwischen in allen US-Bundesstaaten mit Baumwollanbau auf und bewirken erhebliche Ernte­verluste. Jetzt ist erstmals Baumwolle im Angebot, die neben Glyphosat gegen weitere Pflanzengifte wie Isoxaflutol resistent ist. Nach Einschätzung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA ist dieser Wirkstoff möglicherweise krebserregend.

Auch der langjährige Anbau von sogenannter Bt-Baumwolle bringt unerwünschte Resistenzen und andere Probleme mit sich. In Bt-Baumwolle wurde ein Gen des Bazillus thuringensis eingeschleust, das die Pflanze veranlasst, ein Insektengift zu produzieren, um sie vor Schädlingsbefall zu schützen. Sowohl in den USA wie in Indien wurden einige Baumwollschädlinge im Lauf der Jahre resistent gegen dieses Gift. Deshalb wurde in die nächste Generation genveränderter Baumwolle ein zweites Bt-Gen eingeschleust, das ein anderes Gift produziert, und neuerdings soll ein drittes Bt-Gen dazukommen. In Indien wurde außerdem beobachtet, dass auf Bt-Baumwollfeldern Schadinsekten auftreten, gegen die das Bt-Gift nicht wirkt. Diese haben bisher keine Rolle gespielt, richten jetzt aber großen Schaden an. In China breiten sich auf Feldern mit Bt-Baumwolle die Raupen der Baumwoll-Kapseleule beschleunigt aus, wenn diese mit bestimmten Viren befallen sind. Die Viren scheinen das Immunsystem der Raupen zu stimulieren: Die Wirkung des Bt-Giftes ist bei ihnen daher schwächer, so dass sie rascher gegen das Bt-Gift resistent werden als ihre Artgenossen, die nicht von diesen Viren befallen sind. Auf konventionellen Baumwollfeldern finden sich solche infizierte Raupen dagegen kaum.

Die genveränderte Baumwolle hat über die Felder hinaus auch Folgen für die Umwelt. In Mexiko breitet sie sich seit Jahren in Bereichen aus, wo die biologische Vielfalt der wilden Baumwolle am größten ist. Dies führt zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung: Baumwollpflanzen produzieren an ihrer Oberfläche eine Art Nektar. Die Menge dieses Nektars ist bei den genveränderten Pflanzen ungewollt vergrößert. Deshalb treten spezielle Ameisenarten, die nützlich für die Abwehr von Schadinsekten sind, bei Bt-Baumwolle häufiger als bei wilder Baumwolle auf. Auf diese Weise doppelt geschützt können die Nachkommen der gv-Pflanzen invasive Eigenschaften erlangen und die wilden Baumwollarten verdrängen. Tatsächlich finden sich in den natürlichen Populationen bereits Fälle, die sogar schon eine Kombination von mehreren Fremdgenen aufweisen.

Leider ist der prozentuale Marktanteil von Bio-Baumwolle extrem niedrig. Wer das ändern will, muss nach entsprechenden Anbietern suchen und einen höheren Preis nicht scheuen.

Quellen:
Pfeil Genethischer Informationsdienst (GID) 259 (11/2021)
Pfeil Bt-Baumwolle – Wikipedia
Pfeil www.keine-gentechnik.de/dossiers/baumwolle-gentechnik/


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