>> Blausteiner Nachrichten Nr. 15 <<
14.4.2022

„Glyphosat – mehr als ein Herbizid“

Der Streit darüber, ob dieses Herbizid krebserregend wirkt, ist weithin bekannt.
Doch die Fragen nach gesundheitlichen Auswirkungen auf Menschen,Tiere und Pflanzen müssen viel weitergehend gestellt werden. Einerseits weil eine Entscheidung über eine Neuzulassung ab 15.12.2022 ansteht, andererseits weil inzwischen immer deutlicher wird, dass Rückstände dieses meistverwendeten Herbizids praktisch in der gesamten Biosphäre, in allen Organismen allgegenwärtig geworden sind. Als Totalherbizid spielt Glyphosat durch Unterbrechung der Nahrungsketten eine auch indirekte herausragende Rolle für Verluste an Artenvielfalt und Bestandsgrößen bei Pflanzen und Tieren.

Darüber hinaus gibt es aber noch ein weiteres grundlegendes Gefahrenpotential. Im öffentlichen Bewusstsein ist wenig gegenwärtig, dass Glyphosat nicht nur als Herbizid sondern auch als Antibiotikum patentiert ist, also als ein Giftstoff für Mikroorganismen.
Ihre Gesamtheit von Bakterien, Pilzen und mikroskopisch kleinen Tieren wird als Mikrobiom bezeichnet. Sämtliche höhere Lebewesen sind von einem jeweils charakteristischen Mikrobiom besiedelt, welches für ihr Überleben absolut unverzichtbar ist. In einem langen Laufe der Evolution ist die Zusammenarbeit zwischen jeweiligem Mikrobiom und seinem Wirt so weit optimiert worden, dass kein Kraut oder Baum ohne die mit seinen Wurzeln vergesellschafteten Mikroorganismen wachsen kann, kein Tier, kein Mensch ohne seine Darmflora existieren kann.

In dieses optimale Zusammenwirken greifen die Millionen Tonnen von inzwischen ausgebrachtem Glyphosat ein. Studien zu Auswirkungen relativ geringer Rückstandskonzentrationen auf Mikroorganismen erbrachten bis vor Kurzem scheinbar widersprüchliche Aussagen. Doch inzwischen wird deutlich, dass die Effekte erst bei ausreichend genauer und umfassender Analyse genetischer Daten deutlich werden.

Schon früher haben wir hier über glyphosatbasierte Probleme für Insekten, darunter Käfer aber auch Bienen berichtet (BN 20, 2021), die durch Beeinträchtigungen ihres Mikrobioms zustande kommen.

Solche Effekte sind verständlicher Weise noch viel weiter verbreitet, sie machen auch nicht vor dem Menschen Halt. Viele krankheitserregende Bakterien tolerieren relativ hohe Glyphosat-Konzentrationen, während harmlose oder nützliche Bakterien viel empfindlicher reagieren. Genau derjenige Konzentrationsbereich, in dem Glyphosat auf die Pflanzen ausgebracht wird, verändert die natürliche Zusammensetzung des menschlichen Mikrobioms. Aktuell stellte sich heraus, dass bis zu 26 % der menschlichen Darmbakterien gegen Glyphosat empfindlich sind. Die zulässigen Rückstände in Futter- und Lebensmitteln, wie auch in Boden und Wasser müssen also vorsorglich gesenkt werden, um Schädigungen entgegen zu wirken. Stattdessen wurden diese Grenzwerte bisher immer wieder erhöht, um bei der herrschenden Anreicherung von Glyphosat in der Umwelt „die Akten stimmig“ zu halten.

Auch viele andere Herbizide haben antibiotische Eigenschaften und weitere Substanzen wirken als Mikrobizide auf Mikrobiome ein. All dies muss gründlich bedacht werden, bevor eine Entscheidung über die Wiederzulassung von Glyphosat getroffen wird.

Quelle: Pfeil GID 260, Februar 2022


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