>> Blausteiner Nachrichten Nr. 42 <<
18.10.2019

„Pestizidfrei – von Staats wegen ?“

Die Regierung des südindischen Bundesstaates Andhra Pradesh hat sich ein ökologisch ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2024 soll die gesamte Fläche mit 50 Millionen Einwohnern, davon 6 Millionen in der Landwirtschaft tätig, zu einer komplett pestizidfreien Zone werden. Regierung und NGOs arbeiten seit 20 Jahren gemeinsam auf einen Landbau ohne externen Input hin, also ohne chemische Düngung und Pestizide. Immerhin konnte so der Pestizideinsatz bereits um 50% reduziert werden. Ein Öko-Programm in dieser Dimension ist bisher weltweit einmalig. Sollte der Plan gelingen wäre das Projekt beispielhaft weit über Indien hinaus – zu schön um wahr zu sein?

Allerdings gibt es in der indischen Zivilgesellschaft durchaus auch skeptische Stimmen und Warnungen vor Gefahren. Agrarmultis und große Geldgeber werden viel daran setzen, sich in das Vorhaben einzuklinken und es in ihrem Sinne zu beeinflussen. Der Ministerpräsident des Staates hat das Projekt zur Chefsache erklärt und präsidiert in einer Organisation, die sämtliche Aspekte planen und umsetzen soll. Diese könnte sich als Parallelstruktur zu den verfassungsmäßigen Organen der Lokalverwaltung erweisen. Der Ministerpräsident begeistert sich zugleich für High-Tech-Lösungen und sucht passend dazu die Nähe großer Geldgeber. Es gibt Kontakte zu Banken, die anderswo an sozial und ökologisch zerstörerischen Projekten beteiligt sind. Mögliche Geldgeber sind große Förderer der Gentechnik und Digitalisierung in der Landwirtschaft, die beide in einem Landbau ohne externen Input gar keinen Platz haben. Auch das Risiko der Bio-Piraterie durch Agrarmultis ist nicht von der Hand zu weisen.Die Zivilgesellschaft fordert mehr Transparenz seitens der Ausführenden, um das Programm in allen Bereichen kritisch begleiten zu können.

Dieses zukunftsweisende Experiment in Südindien hat schon jetzt weltweit ein großes Echo gefunden … es bleibt sehr spannend, mit allen seinen Risiken und Widersprüchen.

Quelle:
Pfeil Solidarische Welt Ausgabe 245 (März 2019)


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