>> Blausteiner Nachrichten Nr. 08 <<
21.02.2020

„'Gene Drives' - eine neue Eskalationsstufe gentechnischer Veränderungen“

Diese neue gv-Technik setzt die Grundregeln der Evolution außer Kraft und stellt daher die vielleicht gefährlichste bisher entwickelte Anwendung von gv-Verfahren dar. Neue Verfahren der Gentechnik, besonders CRISPR-Cas werden genutzt, um Organismen mit sexueller Fortpflanzung so zu manipulieren, dass die veränderten Erbeigenschaften sich in der gesamten Population durchsetzen können, auch dann, wenn sie für den Organismus selbst nachteilig oder letztlich gar tödlich sind. Dafür wird das entsprechende gentechnische Werkzeug selbst in das Erbgut des gv-Organismus eingebaut und kopiert sich damit bei jeder Fortpflanzung in das Erbgut der Nachkommen. Natürliche Reparatur-Mechanismen der Zellen werden dabei umgangen.

Bisher sollte die ungezielte Auskreuzung von gv-Organismen mit wilden Artverwandten unbedingt vermieden werden, nun ist die möglichst totale Auskreuzung bei Gene Drive-Organismen (GDO) das erklärte Ziel, um lästige Arten wie Malariamücken, Blattläuse, invasive Nager, Fruchtfliegen oder Hefepilze bis hin zur Ausrottung zu dezimieren.

Doch die Technologie birgt eine Vielzahl neuartiger Risiken. Schon die beabsichtigte Ausschaltung einer Art ist in ihren womöglich erst längerfristigen Auswirkungen kaum absehbar. Dazuhin weiß man inzwischen, dass CRISPR-Cas längst nicht so präzise funktioniert, wie zunächst erhofft und immer noch propagiert. Ganz unerwartete, unbeabsichtigte Zusatz-Effekte sind keineswegs auszuschließen. GDO sind aber, einmal freigesetzt, unkontrollierbar, nicht rückholbar. Die invasive Ausbreitung würde vor Ländergrenzen nicht Halt machen, könnte im Extremfall das Artensterben beschleunigen, ganze Ökosysteme zusammenbrechen lassen. Selbst soziale Folgen des Einsatzes wären gegebenenfalls irreversibel.

Die aktuelle Gentechnik-Regulierung und -Risikobewertung ist auf Umweltrisiken durch GDO nicht ausgerichtet, ihre Anwendung widerspräche daher dem Vorsorgeprinzip als Grundlage des globalen Naturschutzrechtes. Es hat sich bereits herausgestellt, dass bisherige Sicherheitsstandards ein Entweichen von GDO aus dem Labor nicht zuverlässig verhindern würden. Sogar der GDO-Erfinder warnt vor schnellen Freisetzungen. Selbst GDO-Entwickler verlangen dringend, die Sicherheitslücken regulatorisch zu schließen. Immerhin hat das EU-Parlament jüngst das Verbot von Freisetzungen gefordert.

Von allem anderen abgesehen würden GDO-Anwendungen der industriellen Landwirtschaft weiteren Vorschub leisten und nachhaltigen Alternativen, also Ökolandbau und sonstigen agrarökologischen Ansätzen entgegenwirken, würden weiterhin einzelne Arten als Schädlinge bekämpft statt ihre natürliche Regulation zu unterstützen.

Die Hybris des Menschen gegenüber der Schöpfung strebt mit Gene Drives einem neuen Höhepunkt zu.

Pfeil Quelle: Gen-ethischer Informationsdienst Nr. 251(11-2019)


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